Das Nichts in Allem
Sind wir nicht alle Flaneure durch das kurze Leben, Schiffe zu einem Hafen, den wir nicht kennen, Gäste einer Herberge, bevor die Postkutsche des Abgrunds eintrifft? So schreibt es der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, für den das wohl ganz besonders gilt. Sein «Buch der Unruhe» gelangte zu Weltruhm, obwohl es nur Fragmente enthält: Melancholische Aphorismen des Vergehens, des vergeblichen Lebens, der Distanz zu allen Dingen.
Luise Voigt, theatertreffengekrönte Regisseurin, gefeierte Hörspielmacherin und Medienkünstlerin, inszeniert sein gewaltiges Konvolut am Schauspiel Düsseldorf – indem sie souverän ihre grandiosen theatralen Mittel vorzeigt.
Neun «Welten» erstehen vor uns, Szenenbilder, in denen jeweils ein Ensemble-Mitglied im Zentrum steht, Spannungsfelder zu Pessoas Worten bildet. Alle erwachsen aus dem vordergründig kahlen, holzbraunen Kasten von Bühnenbildnerin Maria Strauch, der sich atemberaubend verwandeln kann. Alte Schwarz-Weiß-Filme zeigen das Lissabon von einst, 3-D-Häuserschluchten sind auf verschachtelte Vorsprünge gebannt. Jürgen Sarkiss ist der Prototyp des Flaneurs Pessoa. Mit Hut, Anzug, Weste sitzt er im Café-haus. Die Figuren um ihn herum folgen einer ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Dorothea Marcus
Ich weiß nicht, wie ich das heute schaffen soll. Ich bin unendlich müde und ausgelaugt, mein Körper fühlt sich an wie ein schwerer nasser Sack, der nichts mit mir zu tun haben will. Mich belasten private Sorgen, ich kann schwer an irgendwas anderes denken. Aber ich habe heute Vorstellung. Dasselbe Stück wie vorgestern, da war es richtig gut. Der Gedanke daran, dass...
Im Grunde bedurfte es nicht einmal der, obgleich schönen, Verlängerung vom Theater in den Konzertsaal, wenn das Publikum nach vier Stunden für die ersten der angesetzten Aufführungen hinüber ins nahegelegene Anneliese Brost Musikforum wanderte, um Dmitri Schostakowitschs Symphony Nr. 10 e-Moll mit den Bochumer Sinfonikern unter Tung-Chieh Chuang zu erleben. Als...
Zumindest einer dürfte sich über die Aufregung gefreut haben. Detlef Müller, Mitglied des Chemnitzer Stadtrats für die SPD und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, der sein Direktmandat an die AfD verloren hat, hatte einen Coup gelandet und seine Stadt ein Jahr nach der Kulturhauptstadt wieder in den kulturpolitischen Diskurs gebracht, allerdings eher destruktiv....
