Das Nichts in Allem

nach Fernando Pessoa «Das Buch der Unruhe», Wajdi Mouawad «Verbrennungen» am Schauspielhaus Düsseldorf

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Sind wir nicht alle Flaneure durch das kurze Leben, Schiffe zu einem Hafen, den wir nicht kennen, Gäste einer Herberge, bevor die Postkutsche des Abgrunds eintrifft? So schreibt es der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, für den das wohl ganz besonders gilt. Sein «Buch der Unruhe» gelangte zu Weltruhm, obwohl es nur Fragmente enthält: Melancholische Aphorismen des Vergehens, des vergeblichen Lebens, der Distanz zu allen Dingen.

Luise Voigt, theatertreffengekrönte Regisseurin, gefeierte Hörspielmacherin und Medienkünstlerin, inszeniert sein gewaltiges Konvolut am Schauspiel Düsseldorf – indem sie souverän ihre grandiosen theatralen Mittel vorzeigt.

Neun «Welten» erstehen vor uns, Szenenbilder, in denen jeweils ein Ensemble-Mitglied im Zentrum steht, Spannungsfelder zu Pessoas Worten bildet. Alle erwachsen aus dem vordergründig kahlen, holzbraunen Kasten von Bühnenbildnerin Maria Strauch, der sich atemberaubend verwandeln kann. Alte Schwarz-Weiß-Filme zeigen das Lissabon von einst, 3-D-Häuserschluchten sind auf verschachtelte Vorsprünge gebannt. Jürgen Sarkiss ist der Prototyp des Flaneurs Pessoa. Mit Hut, Anzug, Weste sitzt er im Café-haus. Die Figuren um ihn herum folgen einer ...

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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Dorothea Marcus

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