Schuss und Gegenschüsse
Fressen oder Fliegen» lauteten die recht prosaischen Handlungsoptionen, unter denen sich, im gesamten HAU-Komplex verteilt, Theater und Bildende Kunst annäherten – installativ, performativ und vor allem gesprächsbereit. Neben den alten HAU-Bekannten Rimini Protokoll, Jérôme Bel und Tim Etchells waren auch Bildende Künstler wie der Fotograf Thomas Demand oder die Kunstkurzfilmerin Keren Cytter zur Überwindung der diskursiven Genregrenzen geladen.
Dabei führte die festivalprogrammatische Videoinstallation unter dem gleichen Titel von Harun Farocki und Antje Ehmann unmittelbar in die Kunst ein, «einen Vogel so zu analysieren, dass man seinen Flug verstehen lernt, und ihn dabei nicht so zu zerlegen, als wolle man ihn essen». Bereits 2006 in Wien erprobten sie unter dem Motto «Kino wie noch nie» die Technik, einzelne Filmsequenzen aus ihrer linearen Abfolge zu lösen und sie im «Schuss-Gegenschuss-Verfahren» auf mehreren Screens dialogisch aufeinander zu beziehen. Dabei erzeugen sie auch im HAU3 eine filmische Montage, die zwar ihren Gegenstand analysiert, die filmische Wirkung dabei aber nicht (gänzlich) zerstört. Zum Sujet des «Mannes, der sich selbst tötet» zitieren sie 38 ...
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Ja, es ist verrückt, wie schnell alles Vergangenheit wird», meint der «Finanzexperte» in der Radio-Talkrunde, bei der man schon langenicht mehr weiß, ob es um den jüngsten Jahrhundertsturm oder die letzte Jahrtausendflut geht, ob gerade ein pazifischer Wirbelsturm die Südstaaten umpflügt, ein osteuropäisches Atomkraftwerk die nächstgelegene Millionenstadt grillt...
Die neue Saison war noch keine acht Wochen alt, da stand es für das Feuilleton einer überregionalen Zeitung schon fest: Die Berliner Bühnen stecken in der Krise. Das Deutsche Theater, eben noch in Bernd Wilms’ letzter Spielzeit zum «Theater des Jahres» gekürt, unter Interims-Intendant Oliver Reese wegen Renovierung des Großen Hauses auf Zelt und Kammerspiele...
Christoph Schlingensief kommt nach wie vor gern auf die Bühne. Vor der dritten Aufführung des «Zwischenstands der Dinge» hält er vor den rund 70 Zuschauern, die in das kleine Gorki Studio passen, eine schnelle, atemlose Ansprache. Er berichtet von «einem neuen Zwischenstand», der «scheiße» aussähe, philosophiert über Kritiker, die verwirrt konstatiert haben, dass...
