Schuss und Gegenschüsse

«Fressen oder Fliegen»: Das «Art into Theatre – Theatre into Art»-Festival im HAU Berlin

Theater heute - Logo

Fressen oder Fliegen» lauteten die recht prosaischen Handlungsoptionen, unter denen sich, im gesamten HAU-Komplex verteilt, Theater und Bildende Kunst annäherten – installativ, performativ und vor allem gesprächsbereit. Neben den alten HAU-Bekannten Rimini Protokoll, Jérôme Bel und Tim Etchells waren auch Bildende Künstler wie der Fotograf Thomas Demand oder die Kunstkurzfilmerin Keren Cytter zur Überwindung der diskursiven Genregrenzen geladen.



Dabei führte die festivalprogrammatische Videoinstallation unter dem gleichen Titel von Harun Farocki und Antje Ehmann unmittelbar in die Kunst ein, «einen Vogel so zu analysieren, dass man seinen Flug verstehen lernt, und ihn dabei nicht so zu zerlegen, als wolle man ihn essen». Bereits 2006 in Wien erprobten sie unter dem Motto «Kino wie noch nie» die Technik, einzelne Filmsequenzen aus ihrer li­nearen Abfolge zu lösen und sie im «Schuss-Gegenschuss-Verfahren» auf mehreren Screens dialogisch aufeinander zu beziehen. Dabei erzeugen sie auch im HAU3 eine filmische Montage, die zwar ihren Gegenstand analysiert, die filmische Wirkung dabei aber nicht (gänzlich) zerstört. Zum Sujet des «Mannes, der sich selbst tötet» zitieren sie 38 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2009
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Anja Quickert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Soufflé gegen Spaßhunger

«Was ihr wollt» ist eine wunderbare Komödie, was schon daraus ersichtlich ist, dass das Stück mindestens fünf der allerbegehrtesten Rollen ever written enthält. Es ist aber auch ein Text wie ein Soufflé mit einer ausgeprägten Tendenz zum existenziellen Nihilismus, das im Backofen leicht einmal zusammenfallen kann. Angenommen, ein junger Zuschauer begegnete dem...

Textkonzert und Kinderzimmer

Das jüngste Beispiel für den Trend zur Roman­adaption ist ein besonders kühnes Unterfangen: Verglichen mit «Doktor Faustus» geht ja sogar «Der Zauberberg» als well-made play durch. Thomas Manns Spätling (1947) ist die fiktive Biografie des deutschen Komponisten Adrian Leverkühn (1885–1940), wobei die Handlung dem Autor hauptsächlich dazu dient, ein ganzes Füllhorn...

Das Unspielbare wagen

Nur eine halbe Stunde im ICE liegt zwischen Ingolstadt und Nürnberg. Und doch auch Welten. Das kann man im Theater entdecken: An beiden Bühnen wird derzeit die «Orestie» von Aischylos gespielt, jeweils alle drei Teile und jeweils strich-scheu abendfüllend. Beide Theater greifen auf Peter Steins Übersetzung zurück, jagen den vielköpfigen Chor wie...