Schuss und Gegenschüsse
Fressen oder Fliegen» lauteten die recht prosaischen Handlungsoptionen, unter denen sich, im gesamten HAU-Komplex verteilt, Theater und Bildende Kunst annäherten – installativ, performativ und vor allem gesprächsbereit. Neben den alten HAU-Bekannten Rimini Protokoll, Jérôme Bel und Tim Etchells waren auch Bildende Künstler wie der Fotograf Thomas Demand oder die Kunstkurzfilmerin Keren Cytter zur Überwindung der diskursiven Genregrenzen geladen.
Dabei führte die festivalprogrammatische Videoinstallation unter dem gleichen Titel von Harun Farocki und Antje Ehmann unmittelbar in die Kunst ein, «einen Vogel so zu analysieren, dass man seinen Flug verstehen lernt, und ihn dabei nicht so zu zerlegen, als wolle man ihn essen». Bereits 2006 in Wien erprobten sie unter dem Motto «Kino wie noch nie» die Technik, einzelne Filmsequenzen aus ihrer linearen Abfolge zu lösen und sie im «Schuss-Gegenschuss-Verfahren» auf mehreren Screens dialogisch aufeinander zu beziehen. Dabei erzeugen sie auch im HAU3 eine filmische Montage, die zwar ihren Gegenstand analysiert, die filmische Wirkung dabei aber nicht (gänzlich) zerstört. Zum Sujet des «Mannes, der sich selbst tötet» zitieren sie 38 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eva Behrendt Gerade sind im Suhrkamp Verlag drei Gesprächsbände erschienen, die die 12-bändige Heiner-Müller-Gesamtausgabe komplettieren, also ein Viertel seines Œuvres ausmachen. 24 der darin abgedruckten Gespräche haben Sie mit Müller geführt. Was war das Besondere am Gesprächspartner Heiner Müller?
Alexander Kluge Dass er ein Dramatiker, ein theatererfahrener...
Amerikanische Dramatiker lieben es, wenn sie beim Schreiben dreckige Hände kriegen. Mit Hingabe buddeln sie tief, um epische Groß- und Kleinfamilien durch den Morast ihrer Beziehungsgeschichten zu schicken, lassen die Leichen im Keller lange Schatten werfen und weiden Lebenslügen bis zur Katastrophe aus. Zur Liga von Tennessee Williams, Eugene O’Neill, Arthur...
Christoph Schlingensief kommt nach wie vor gern auf die Bühne. Vor der dritten Aufführung des «Zwischenstands der Dinge» hält er vor den rund 70 Zuschauern, die in das kleine Gorki Studio passen, eine schnelle, atemlose Ansprache. Er berichtet von «einem neuen Zwischenstand», der «scheiße» aussähe, philosophiert über Kritiker, die verwirrt konstatiert haben, dass...
