Das Märchen vom großen Geld
Es war einmal ... im Herzen der ökonomischen Welt, im Herzen Amerikas, Texas, da gab es einmal ein Unternehmen» – so beginnt das Märchen von einem, der auszieht, ein König zu werden. Und er zieht aus, er wird ein König, und er wird wahnwitzig reich, und dann kommen die Neider und nehmen ihm alles wieder weg und werfen ihn in den Kerker bis an sein Lebensende. Aber wenn die Finanzwelt bei Drucklegung nicht im Orkus verschwunden ist, dann leben seine raffinierten Ideen noch heute.
«Enron» handelt vom ungeheuerlichen Aufstieg und Fall des gleichnamigen texanischen Energie-Multis, der 2001 in einer Milliarden-Insolvenz den größten Unternehmensskandal offenbarte, den die US-Wirtschaft bis dato erlebt hatte. Top-Manager erhielten für unerhörte Bilanzfälschungen jahrzehntelange Haftstrafen. Heute sind die Finanzpraktiken, die man im Prozess vor vier Jahren als eindeutig kriminell einstufte, gang und gäbe und Mitverursacher einer Krise, mit der sich das Theater in der vergangenen Spielzeit ausführlich beschäftigt hat. Das Märchen endet prophetisch mit den Worten des gestürzten Königs, Enron-Präsident Jeffrey Skilling: «Ich wollte nur die Welt verändern. Und es wird eine Zeit kommen, in ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 194
von Kathrin Mädler
Die deutschsprachige Dramatik ist nicht gerade reich an gelungenen Komödien. Sei es, dass der deutsche Humor zu schwerfällig ist, dass es hierzulande zu wenig zu lachen gibt oder dass der Komödienautor als Leichtgewicht unter den Künstlern gilt. Jenseits des Boulevards hat es die Komödie nicht leicht. Brechts Versuche waren meist heitere Lehrstunden, die von Frisch...
Pas ça!» Mit einer Handbewegung wischt John Porto alles fort. Malt das Geschehen schwarz. Die sieben Revueengel, seiner Willkür ausgeliefert, nennen ihn ehrfurchtsvoll Papa, weil er sie aus dem Dunkel ans Licht holt und sie mit seiner Auslöschformel wieder dahin verbannt. Zurück ins blinde Geschehen. Im Papa hallt das «Pas ça!» nach, aber Papa ist auch eine...
Unspektakulärer kann Nacktheit wahrscheinlich nicht mal am FKK-Strand rüberkommen. Kein handelsübliches Murren regt sich im Silbersee des Schauspiels Hannover im vorderen Parkett, kein Kichern in den reich mit Schulklassen besetzten hinteren Reihen. Dass Sandra Hüller als Parzival die Bühne splitterfasernackt betritt und das auch eine ganze Weile bleiben wird,...
