Blaue Flecken auf dem Ich-Bild
Die deutschsprachige Dramatik ist nicht gerade reich an gelungenen Komödien. Sei es, dass der deutsche Humor zu schwerfällig ist, dass es hierzulande zu wenig zu lachen gibt oder dass der Komödienautor als Leichtgewicht unter den Künstlern gilt. Jenseits des Boulevards hat es die Komödie nicht leicht. Brechts Versuche waren meist heitere Lehrstunden, die von Frisch und Dürrenmatt fleißig fortgeschrieben wurden.
Doch erst wenn der Wahnsinn einer Zeit in einer Pointe gefasst wird, könnte ein Drama zur Komödie werden. In «Perplex» ist die Handlung einfach kompliziert.
Ein Paar, Eva und Robert, kommt nach einem Urlaub nach Hause. Die Pflanzen sind rätselhaft verändert, in der Post wird ihnen die Abschaltung ihres Stroms mitgeteilt, und ein großes Paket gibt Rätsel auf. Der normale Ankunftsärger nach einer längeren Abwesenheit. Judith und Sebastian treten auf, ein befreundetes Paar, das sich um diese Dinge eigentlich hätte kümmern sollen. Doch die beiden entpuppen sich als die eigentlichen Bewohner des Hauses und komplimentieren Eva und Robert vor die Tür. Kurze Zeit später kehren die beiden jedoch in veränderter Kleidung als Au-pair-Mädchen und Sohn des zweiten Paares zurück. Dieser ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 189
von Bernd Stegemann
Warum wird ein Theater zum Theater des Jahres? Wegen seiner Vergangenheit und seiner Zukunft, weil es irgendwo herkommt und weil es irgendwohin den Weg weist. Die Gegenwart ist dann nur der günstige Moment dazwischen.
Das Kölner Schauspiel kommt aus einer Senke mühseliger, glückloser Jahrzehnte. Überregionale Bedeutung erhielt es zuerst in der Intendanz Hansgünther...
Eigentlich hatte die Inszenierung bei mir im Vorfeld schon gewonnen! Der Wirtschafts- und Finanzcrash bringt ja zurzeit geballte Krisenfolklore über das Theater: Überall strampeln wackere, redliche «kleine Leute» in existenzieller Verzweiflung gegen skrupellose Zigarren-Kapitalisten und/oder Pokerface-Banker an, was naturgemäß den Vorteil hat, dass sich neunzig...
Es ist noch nicht so lange her, da ging man in diesem Outfit eher auf ein Brian-Adams-Konzert. In Karohemd und enger Jeans. Auf Du-und-Du mit dem ehrlichen Rocker. «In the Summer of ’69» (anno 1984). Und jetzt ist das das Outfit für die Volksbühne, für Fabian Hinrichs zumindest. Noch ein Handshake im Saal mit Christoph Schlingensief vor der Premiere, ein Hallo zum...
