Das Lied der Heimat
So sieht also der Himmel aus, jedenfalls der von Psychiater Königsforst, 57, aus Wolfen: Kurz nachdem der doppelte Selbstmordversuch mit Gattin Helga kläglich gescheitert ist, ergreift den Mann ein völlig neues Körpergefühl. Peter Kurth wischt sich den erbrochenen Pillenbrei von der Brille, pumpt die Lungen voll Morgenluft, reißt den mittelbraunen Anzug vom Leib, dass die Knöpfe spritzen, und hüpft mit stolzgeschwellter Wampe unter zum Schädelplatzen dröhnenden Tarzanschreien durch die Landschaft.
Gleich in der übernächsten Szene macht er sich an seine liebeskranke Patientin Simone heran, verliert endgültig seinen Job und schreitet fortan sehr befreit und gelassen durch die Welt. Soll niemand sagen, dass im Abbau Ost keine Chancen stecken. Nachdem man mit dem Leben erst einmal probeweise abgeschlossen hat, eröffnen sich ungeahnte Glücksräume.
Dabei fügt sich Fritz Katers neues Stück eigentlich bruchlos in die jüngste Reihe von Ost-Depressions-Dramatik, welche die sozialen Kontaktprofile einstürzender Plattenbauten feiert (Tine Rahel Völckers «Die Höhle vor der Stadt ...») oder autonome Selbstversorgerstaaten in verwahrlosten Neubausiedlungen ausruft (Thomas Freyers «Separatisten»). ...
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