Das Leerzeichen in uns
Auf der Bühne stehen drei Plastikkinderstühle, die hölzernen Zuschauerbänke ringsum sind so hoch, dass auch ausgewachsene Menschen mit den Beinen baumeln müssen. Kinderperspektive. Ralph Tharayil beschreibt in seinem Romandebüt «Nimm die Alpen weg» eine Kindheit in der Schweizer Provinz mit südindischen Eltern. Derzeit ist Tharayil Hausautor bei den Bühnen Bern. «Das Land, in dem wir leben, kennt den Krieg nur von Weitem. Das Land, in dessen Sprache Ma und Pa beten, kennt den Krieg von allen Seiten», schreibt er in seinem bemerkenswerten Roman.
Und später: «Woher kommt ihr, fragen unsere Freunde in der Schule. Sie wissen nicht, dass das Staunen keinen Ort besitzt.»
Ein Aufwachsen zwischen Anpassung in alle Richtungen und sich Abheben von den Träumen der Eltern – die mit dem Bambus strafen, wenn die Kinder nicht die besten Schulnoten nach Hause bringen, und europäisches Besteck auflegen, wenn Schulfreunde zum Mittagessen mitkommen. Tharayil beschreibt das liebevoll zugewandt, in einer sanften Sprache, die Poesie aus einem wachen kindlichen Blick zieht. Eine Sprache, die die Brüche benennt und die Zwischenräume luftig lässt. Manchmal gehen die Kinder in die Telefonkabine auf der ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Klaeui
Wo gerade noch das niedliche Ferienhaus der Familie Tyrone stand, liegt nur noch ein Bretterhaufen: Nach zwei Minuten ist es explodiert in tausend Teile. Ein Schockmoment, ein Knall -effekt für den Zuschauer, das Bild der Zerstörung danach erinnert an Überreste von Flutkatastrophen oder Erdbeben. Und so setzt Johann Simons mit seinem Hauptregieeinfall des Abends...
Als Jon Fosse im Vorjahr der Literaturnobelpreis verliehen wurde, hatte er das Stückeschreiben längst eingestellt und sich weitgehend der Romanproduktion zugewendet. Zu seiner Theater-Hochzeit aber, zwischen 2000 und 2010, wurden allein im deutschsprachigen Raum nicht weniger als 19 Fosse-Dramen erstaufgeführt, insgesamt umfasst seine Werkliste mehr als 30 Stücke....
216 Millionen Menschen werden durch den Klimawandel laut einer Weltbank-Statistik von 2021 zur Flucht gezwungen werden. Kaum ernsthaft vorstellbar ist es, sie durch Grenzkontrollen, Zäune, Mauern oder Frontex-Boote aufhalten zu können – so die Grundannahme von Volker Löschs und Lothar Kittsteins neuester Bonner Arbeit «216 Millionen», die vor dem politischen Getöse...
