Das Haus an der Grenze
Wie erzählt man Geschichte? Indem man Geschichten erzählt. Sechs Figuren lässt Marius von Mayenburg in seinem Stück «Der Stein» (abgedruckt in TH 10/08) auftreten, um aus
ihren von «echten» Menschen inspirierten Biografien kurze Szenen zu destillieren. Deutschland zwischen 1935 und 1993, dazu ein Haus in Dresden, das sie alle zu verschiedenen Zeit bewohnen, und eine Kette von Erinnerungen, die sich als trügerisch erweisen.
Es sind Selbst- und Familienschutzlügen, die vor allem Oma Witha der zweiten und dritten Generation auftischt und die von Mayenburg in Rückblenden und Szenensprüngen entlarvt. Der Stein des Titels ist ein ominöser Pflasterstein, mit dem man in Withas Familie der angeblichen Widerständigkeit von Opa Wolfgang in der Nazizeit gedenkt. Die Jüdin Mieze und ihr Mann müssen das Haus 1935 an Witha und Wolfgang zwangsverkaufen. Tochter Heidrun verlebt dort bis zur Republikflucht 1953 ihre Kindheit, ebenso wie Stefanie, die Enkelin der Nachbesitzer, in den 70er und 80er Jahren. Nur Hannah, Heidruns westsozialisierte Tochter, kann dem Haus beim Rückzug 1993 so gar nichts abgewinnen.
«Ich will hier nicht sein», sagt sie, obwohl der Wohncontainer auf der Wiesbadener Bühne ...
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