Neue Stücke
Das Leben ist bekanntlich ein langer, reichlich ruhiger Fluss. Damit hat sich jetzt sogar Sibylle Berg abgefunden. Nach ihrem die Zweisamkeit leicht resigniert preisenden Roman «Der Mann schläft» heißt die Bühnenversion «Nur nachts», in dem den Mittvierzigern Peter und Petra allerdings ein Geisterpaar den Heiratsplan auszutreiben versucht. Am Wiener Burgtheater zeigt Niklaus Helbling den Kampf. In «Zorn» dagegen lernen acht Personen, die für einen kurzen Moment aufeinandertreffen, sich nicht länger abzufinden.
Nino Haratischwilis neues Stück inszeniert Felix Rothenhäusler in Göttingen. Lebenslinien kreuzen sich auch in Ulrike Syhas Stück «Fracht (Nautisches Denken I-IV)» am dafür prädestinierten Ort: einem Flughafen. In Chemnitz inszeniert Dieter Boyer.
Auf einen Investor warten in Gerhild Steinbuchs «Herr mit Sonnenbrille» ein Mann und eine Frau in einem abgelegenen Dorf, ein Warten auf Godot, in Szene gesetzt von Robert Borgmann am Schauspielhaus Wien. Auch Männer schreiben noch. Roland Schimmelpfennig etwa den «Elften Gesang», Odysseus’ Begegnung mit Teiresias, uraufgeführt von Lisa Nielebock in Bochum. Beim Stückemarkt des Theatertreffens erhielt Oliver Klucks «Prinzip Meese», ...
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«Entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht gesehen», was für ein harmloser Satz. Giulia, in bewährter Sprödigkeit von Corinna Harfouch verkörpert, entschuldigt sich auf diese Weise bei einer älteren Frau dafür, dass sie ihr nicht gleich den Platz freigeräumt hat. Doch als Antwort bekommt sie etwas zu hören, dass diesem Satz gewissermaßen die Unschuld raubt. «Ich weiß...
Große Kunstwerke, meint der amerikanische Literaturwissenschafter Stephen Greenblatt, sind große Speicher «sozialer Energie». Mögen sie auch nach dem Ewigmenschlichen lugen und weitestmöglich die Spuren des Stofflichen an sich tilgen, so entstamme ihre tiefere Kraft doch den kollektiven historischen Erfahrungen, die man durch sie hindurch ersehen könne.
Wie ein...
(...) Das Tanztheater Deutschlands steht unter Schock. Erst jetzt, da Pina Bausch tot ist, schaut sich der Betrieb um und merkt, dass es keine Nachfolger gibt für sie, nicht einen. Über das Weiterleben ihrer Stücke auf der Bühne dachte sie nach, ohne zu einer Entscheidung gelangt zu sein vor ihrem Tod. Wer soll nun welche Werke ohne sie alleinverantwortlich...
