Das ernsthafteste aller Spiele
Eine weiträumige Szene, mit Öffnungen nach allen Seiten», ein unbestimmbarer Ort. Vielleicht in der spanischen Provinz Avila, vielleicht in Humpolec in Böhmen. «Zeit: jetzt oder sonstwann». Passanten, einzeln und in Grüppchen, sich nach und nach zerstreuend. «Doch nein: einige von uns sind auf dem Plan geblieben, einer mehr vorn, eine andere eher im Hintergrund, wieder andere da, dort, rechts, links, im Licht, im Schatten, im Abstand zueinander, einzeln, ein jeder für sich». Es wird Abend, dann Nacht. Mit dieser Stimmungslandschaft beginnt Peter Handkes neues Stück.
Alles ist leicht zu Beginn, flüchtig, kaum hingeschrieben, schon wieder zurückgenommen: «wenn überhaupt», «oder auch nicht», «wer weiß von wem». Die Spieler, «fünf, sechs, sieben, acht, so viele, wie das Spiel, das unsrige, nötig haben wird», fangen an zu reden. Eine Alltagsgeschichte von der Begegnung mit einer Klofrau, der verballhornte Refrain eines Popsongs. Sprache als Spiel und Verwirrspiel, trotzdem mit Regeln. «Weniger Nebensätze!», sagt eine. «Keine Interpretation! So war’s doch ausgemacht für unser Spiel», moniert ein anderer.
Im Zentrum des Gesprächs steht ein Drama, das bereits stattgefunden hat: Im März ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 144
von Bernd Isele
Schon seit der Erfindung der modernen Polizei gehören zu ihrer grundlegenden Architektur der unauflösbare Widerspruch zwischen Recht und Unrecht und ein unkontrollierbares Gewaltpotenzial. Dieser Gedanke hat Björn SC Deigner dazu bewogen, Friedrich Schillers Fragment «Die Polizey» als Ausgangspunkt für die eigene Fortschreibung und Untersuchung der dunklen Punkte...
Schon seit Jahrhunderten haftet Intendant*innen der Ruf an, dass sie bisweilen die unter ihrer Obhut Stehenden nicht ausschließlich mit wohlmeinender Fürsorglichkeit umsorgen. Während der Pest in Venedig zum Beispiel wurde die verordnete Ausgangssperre rigoroser gehandhabt als zu unseren Zeiten, ausnahmslos hatte man im Haus zu bleiben, die Türen wurden von außen...
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