Ein postkolonialer Kampf
Was darf die Kunst? Alles! Weil sie ein Privileg ist.
Freiheit braucht Kunst. In der deutschen Gesellschaft kommt Kunst unter anderem die Aufgabe zu, kritisch zu sein. Und Gesellschaftskritik soll in einem demokratischen Gemeinwesen gefahrlos möglich sein: Nach Artikel 5 des Grundgesetzes – «Eine Zensur findet nicht statt» – ist staatliche Vorzensur untersagt.
Kunst braucht Freiheit. Dieser produktive und notwendige Freiraum der Kunst findet auf der Ebene des Rechts, in den Menschenrechten und den davon abgeleiteten Persönlichkeitsrechten seine Begrenzungen.
Das Strafgesetzbuch sieht Sanktionen insbesondere in Fällen vor, bei denen Gruppen oder Einzelne «böswillig verächtlich gemacht werden», «Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen beschimpft» werden.
In Deutschland gibt es eine erprobte juristische Praxis, Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrechte gegeneinander abzuwägen; die rechtliche Begrenzung der Freiheit der Kunst ist trotz regelmäßiger medialer Aufreger relativ stabil. Und auch die Notwendigkeit der rechtlichen Sanktionierung ist unstrittig. Beschimpfungen von Weltanschauungsgemeinschaften, Diffamierungen, Angriffe auf die Menschenwürde finden ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 54
von Wagner Carvalho
An fahrbaren Infusionsständern trippeln und schlurfen ein paar alte weiße Männer. Erinnerungsfetzen liegen in der Luft. Ein überlebensgroßer schwarzer Mistkäfer tritt auf und rollt eine Dungkugel hinter sich her. Der Käfer gehört zum Unterhaltungsprogramm, sein Gesang handelt vom Kreislauf des Lebens. Die Pflegerin, die den Käfer gespielt hat, zieht ihr Kostüm aus...
Ein wolkenloser Tag im Mai. Ein Frühlingstag. Ein Junge, keine sechs Jahre alt, läuft entlang eines Baches den Vögeln hinterher. Der Bach teilt Hügel und Felder. Auf der einen Seite wächst Wein, auf der anderen weiden Kühe, Pferde und Schafe. Zwei Dörfer liegen an diesem Bach, «aneinandergeschmiegt wie Zwillinge im Bauch der Mutter». Und der Legende nach waren die...
Weil ein guter Freund nicht richtig weiter weiß mit seiner Schülerin, bat er mich, einen Blick auf sie zu werfen und sie wenn möglich zu übernehmen, was natürlich auf einer gewissen Gegenseitigkeit beruhen sollte, die zu überprüfen wäre …» Mit diesen Worten beginnt Anja Hillings neues Stück «Massiver Kuss». ER, der dort spricht, ist Auguste Rodin, berühmter...
