Noah Haidle; Foto: Max Zerrahn
Das Eigengesetz der Vorstellungskraft
I. American Way
Am Rand meiner Heimatstadt Grand Rapids in Michigan (wo dieses Stück spielt, wie die meisten meiner Stücke) liegt die Firmenzentrale des multinationalen Direktvertriebkonzerns «Amway», eine Abkürzung für American Way. Ein Sektenexperte beschreibt den Konzern so: «Amway verkauft ein Marketing- und Motivationssystem, Lebenssinn und Lebensstil mit der Inbrunst von Kundgebungen und politisch-religiösen Wiedererweckungsbewegungen.
»
Vor vielen Jahren, nach ein paar schweren Schicksalsschlägen, heuerte meine Tante Fay bei Amway als «Beraterin» an, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, und verkaufte Kosmetika und Lebensstil in unserer Nachbarschaft.
«Für immer schön» ist ihr gewidmet.
Eine Tür-zu-Tür-Verkäuferin von Schönheitsartikeln ist ein leichtes Ziel, ein amerikanischer Archetyp der Lächerlichkeit. Aber wenn es meine Absicht gewesen wäre, meine Tante lächerlich zu machen, hätte ich ihr das Stück weder gewidmet, noch würde ich hier explizit über ihr Leben sprechen. Obwohl ich dieser Bemerkung voranstellen sollte, dass ich die meiste Zeit meines Lebens Fay durchaus für eine Witzfigur gehalten habe. Ein Bild des Jammers! Ein Leben als Farce! In ihrer Welt war der ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Essay, Seite 52
von Noah Haidle
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