Noah Haidle; Foto: Max Zerrahn
Das Eigengesetz der Vorstellungskraft
I. American Way
Am Rand meiner Heimatstadt Grand Rapids in Michigan (wo dieses Stück spielt, wie die meisten meiner Stücke) liegt die Firmenzentrale des multinationalen Direktvertriebkonzerns «Amway», eine Abkürzung für American Way. Ein Sektenexperte beschreibt den Konzern so: «Amway verkauft ein Marketing- und Motivationssystem, Lebenssinn und Lebensstil mit der Inbrunst von Kundgebungen und politisch-religiösen Wiedererweckungsbewegungen.
»
Vor vielen Jahren, nach ein paar schweren Schicksalsschlägen, heuerte meine Tante Fay bei Amway als «Beraterin» an, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, und verkaufte Kosmetika und Lebensstil in unserer Nachbarschaft.
«Für immer schön» ist ihr gewidmet.
Eine Tür-zu-Tür-Verkäuferin von Schönheitsartikeln ist ein leichtes Ziel, ein amerikanischer Archetyp der Lächerlichkeit. Aber wenn es meine Absicht gewesen wäre, meine Tante lächerlich zu machen, hätte ich ihr das Stück weder gewidmet, noch würde ich hier explizit über ihr Leben sprechen. Obwohl ich dieser Bemerkung voranstellen sollte, dass ich die meiste Zeit meines Lebens Fay durchaus für eine Witzfigur gehalten habe. Ein Bild des Jammers! Ein Leben als Farce! In ihrer Welt war der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Essay, Seite 52
von Noah Haidle
Kein leichter Job, im Schatten des weltweit angesagtesten Art-Events ein Theaterfestival auszurichten! Denn obwohl die bildende Kunst zurzeit ja weiträumig ins Performative ausgreift, hat die Mehrheit der Hipster und Trendstreber, die alle zwei Jahre die Easyjet-Route zwischen Berlin und Venedig frequentieren, Stichproben-Erhebungen zufolge von der «Biennale...
Seit dem Amtsantritt des neuen Kultursenators Klaus Lederer wartete die Berliner Kulturlandschaft gespannt darauf, welche praktischen Konsequenzen das politische und verbale Bekenntnis zur Relevanz von Kultur zeitigen würde. Auch die in politischen wie medialen Zusammenhängen gemeinhin unterrepräsentierte Freie Szene durfte auf positive Veränderungen im Rahmen...
Wie ein Monsterfinger in ein Puppenhaus bohrt sich ein Abrisshammer in das Glasfoyer des Stadttheaters Mönchengladbach, Staubhöllen fallen von oben. 2012 wurde das 1959 gebaute Theater abgerissen, im sechsten und neuesten Teil ihrer 2010 begonnenen Dokumentarfilmreihe «state-theatre» fangen Daniel Kötter und Constanze Fischbeck kommentarlos die brutale, aber auch...
