Das Drama in uns allen
Treffen sich drei Reisende in Sommerklamotten auf einer Hinterbühne, zu Polonaise und Plastikmusik, zur immersiven Rundreise auf den Spuren Don Quijotes. Sie dampfplaudern, was man halt so macht in einer Reisegruppe: die Anfahrt über viele Autobahnabfahrten. Die Häppchen auf dem Büffet. Und noch ein Selfie mit der Gummipuppe.
Das Setting im Schauspiel Köln (Bühne Marina Stephan) könnte auch der prosaische Entertainment-Bereich eines Kreuzfahrtschiffs sein, auf jeden Fall ist es: eine Bühne in der Bühne, eine Meta-Erzählung darüber, wie traurig Realität und (Urlaubs)Traum meist auseinanderklaffen. Und dass im Bemühen, trotzdem zu träumen, ja doch der Urgrund des künstlerischen Schaffens liegt. Genau dies ist auch Grundthema des ko -lossalen, absurden Riesenbuchs «Der sinnreiche Edelmann Don Quijote von der Mancha» von Cervantes, seines Zeichens erster Roman der Welt und zugleich die Parodie eines Ritterepos, in dem der Ritter von der traurigen Gestalt auf dem Gaul Rosinante mit Side-Kick Sancho Pansa zusammen durch die prosaische Wirklichkeit zieht und Windmühlen und Schafsherden lieber für Riesen und Soldatenheere hält. Fiktion und Wahrheit mischen sich, Quijote imaginiert sich ...
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Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Dorothea Marcus
Weit ist der Weg vom Hauptbahnhof zur Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde – die aussieht, als hätten die Kumpel ihre Arbeit gerade erst eingestellt. Innen, in der neu ernannten Theaterhalle des Dortmunder Schauspiels, das auf unbestimmte Zeit wegen Bauarbeiten geschlossen ist, riecht es nach Rost und Maschinenfett. Ein Jahr lang darf hier gespielt werden, danach...
Das Problem dräut schon länger am Horizont: «Was macht der Maier am Himalaya?», fragten 1925 Fritz Rotter und Otto Stransky in einem frühen Schlager zum Thema Übertourismus. Inzwischen protestieren die Einheimischen auf der Deutschen liebsten Shortstop-Insel Mallorca nicht nur gegen den grölenden Ballermann, sondern auch gegen den Massenzustrom an Ferienwilligen...
Gemütlich schläft es sich im Eisenbahn-Waggon in Frankfurt/Oder, einer von zehn zum Theater umgebauten, ozeanblauen Zugteilen. Mitten auf einer stadtnahen Industriebrache, im tiefsten Osten an der Grenze zu Polen, ist er krachend und donnernd zum Halten gekommen; die hier schreibende Theaterjournalistin durfte vor Festivalbeginn zu Gast sein. «Hüttenwerk» heißt die...
