Das Dorf im See
In einem Alpendorf geht alles den gewohnten Gang. Die Bäckerin wühlt in Teigschlieren, die Bankangestellte schafft Geld beiseite, die Mesnerin hält Kontakt zu höheren Mächten. Alle drei sortieren untereinander ihre Affären, derweil sitzt der Jäger daheim und masturbiert im Beisein des einzigen Gefährten, eines sprechenden Hundes. Der Chor der Handball spielenden Jugendlichen wiederum dünstet altersgerecht hier Pöbeleien und dort eine Weisheit aus. Geprägt wird das Dorfleben vom bemerkenswerten Umstand, dass es «vor 50, 60, 70 Jahren» in einem Stausee versunken ist.
Die Bewohnerinnen und Bewohner «haben den Atem angehalten, als das Ende der Geschichte noch nicht erreicht war, als Systeme konkurrierten und kleine Männer für Götter gehalten wurden».
Die Abschottung funktioniert märchenhaft gut. Wobei sicher hilft, dass physiologische Fragen – etwa nach Atmung oder Alterung – in diesem Mikrokosmos keine Rolle spielen. Die Zeit da unten steht in der Tat still. Allein der Kirchturm ragt wie eh gen Himmel.
Für ihr Stück «Der Grund. Eine Verschwindung» haben sich Ivana Sokola und Jona Spreter von einem Skandalprojekt in Südtirol inspirieren lassen. Am Reschensee wurden in den 1940ern ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Stephan Reuter
216 Millionen Menschen werden durch den Klimawandel laut einer Weltbank-Statistik von 2021 zur Flucht gezwungen werden. Kaum ernsthaft vorstellbar ist es, sie durch Grenzkontrollen, Zäune, Mauern oder Frontex-Boote aufhalten zu können – so die Grundannahme von Volker Löschs und Lothar Kittsteins neuester Bonner Arbeit «216 Millionen», die vor dem politischen Getöse...
Wo gerade noch das niedliche Ferienhaus der Familie Tyrone stand, liegt nur noch ein Bretterhaufen: Nach zwei Minuten ist es explodiert in tausend Teile. Ein Schockmoment, ein Knall -effekt für den Zuschauer, das Bild der Zerstörung danach erinnert an Überreste von Flutkatastrophen oder Erdbeben. Und so setzt Johann Simons mit seinem Hauptregieeinfall des Abends...
Ein sehr spezielles Welcome: Beim Eintritt in den Empfangsraum des Hauses am Waldsee, einem so renommierten wie abgelegenen Ausstellungshaus mit Park und Seezugang im waldigen Berlin-Zehlendorf, sitzt abgewandt von den Besucher:innen eine lebensgroße Teenager-Puppe auf einem Podest, das weißblonde Haar zurückgeworfen, den Blick auf einen zerknitterten Zettel in der...
