Das Dorf im See
In einem Alpendorf geht alles den gewohnten Gang. Die Bäckerin wühlt in Teigschlieren, die Bankangestellte schafft Geld beiseite, die Mesnerin hält Kontakt zu höheren Mächten. Alle drei sortieren untereinander ihre Affären, derweil sitzt der Jäger daheim und masturbiert im Beisein des einzigen Gefährten, eines sprechenden Hundes. Der Chor der Handball spielenden Jugendlichen wiederum dünstet altersgerecht hier Pöbeleien und dort eine Weisheit aus. Geprägt wird das Dorfleben vom bemerkenswerten Umstand, dass es «vor 50, 60, 70 Jahren» in einem Stausee versunken ist.
Die Bewohnerinnen und Bewohner «haben den Atem angehalten, als das Ende der Geschichte noch nicht erreicht war, als Systeme konkurrierten und kleine Männer für Götter gehalten wurden».
Die Abschottung funktioniert märchenhaft gut. Wobei sicher hilft, dass physiologische Fragen – etwa nach Atmung oder Alterung – in diesem Mikrokosmos keine Rolle spielen. Die Zeit da unten steht in der Tat still. Allein der Kirchturm ragt wie eh gen Himmel.
Für ihr Stück «Der Grund. Eine Verschwindung» haben sich Ivana Sokola und Jona Spreter von einem Skandalprojekt in Südtirol inspirieren lassen. Am Reschensee wurden in den 1940ern ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Stephan Reuter
Theater heute Über der Berliner Kultur- und Theaterszene hängt seit Mitte des Jahres die dunkle Wolke massiver Etatkürzungen, wobei sich die regierende CDU/SPD-Koalition und vor allem Kultursenator Joe Chialo eher in diffusen Andeutungen ergehen. Nur noch einmal zum Stand der Information Mitte November: Was an konkreten Kürzungen ist den Berliner Theatern, darunter...
In einer rabenschwarzen Nacht hämmert eine hochschwangere Frau an die Türen einer Klinik, die direkt aus der mörderischen US-Thriller-Serie «Ratched» stammen könnte: Wer hier landet, der ist in schlechten Händen. Man sucht Hilfe und findet bloß Sadismus. Sibylle Bergs Roman «Toto oder Vielen Dank für das Leben» (2012) berichtet maximal zynisch von der...
Einfach nur «glücklich und bedeutsam sein», meint Sie. Darauf Er: «Das wollen wir alle.» Allerdings. Aber die hehren Wünsche fügen sich nicht so einfach in zwei Zimmer auf 50 Quadratmetern «mit Klicklaminat und Linoleum -boden in der Küche, und jeder Schritt macht so ein schreckliches Plastikgeräusch». Damit ist bei Weitem noch nicht das ganze Problemfeld...
