Hinter den Fassaden
Ein sehr spezielles Welcome: Beim Eintritt in den Empfangsraum des Hauses am Waldsee, einem so renommierten wie abgelegenen Ausstellungshaus mit Park und Seezugang im waldigen Berlin-Zehlendorf, sitzt abgewandt von den Besucher:innen eine lebensgroße Teenager-Puppe auf einem Podest, das weißblonde Haar zurückgeworfen, den Blick auf einen zerknitterten Zettel in der Hand gerichtet, der nur zu sehen ist, wenn man die erratische Figur umrundet. Ein Brief an Rose, die von ihrer Freundin Klara vermisst wird.
Von dort ergibt sich die Sichtachse auf eine zweite weißblonde Teenagerin im Fila-Hoodie, die mit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegt, bewusstlos, tot? Im Raum hinter ihr haben sich mehrere Jugendliche auf, um und unter einem Bett versammelt, um sie herum Tabletten, leere Getränkedosen, zerknüllte Klamotten. Eine aus dem Ruder gelaufene Party, Katerstimmung? Eine Gewalttat an dem Mädchen, das am Boden liegt? Wir werden es nicht erfahren.
Die Blicke der Untoten, nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Kosmos der über 60 lebens -großen Puppen, die die Multikünstlerin Gisèle Vienne in den letzten 20 Jahren in ihren Inszenierungen, Choreografien und Ausstellungen eingesetzt hat, ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt
Vertrauen und Ausdauer braucht es, um in dieses Buch hineinzufinden. Denn es beginnt, gelinde gesagt, im Chaos. Da sind ein «ich» und ein «du», Erinnerungen an random rangezoomte Orte wie Johanngeorgenstadt im Erzgebirge oder Gjirokastër (Städtchen in Süd-Albanien, nicht der letzte Name, den ich gegoogelt habe), die wiederum Kindheiten im Ruhrgebiet wachrufen....
Prolog inklusive, sind 77 Stückchen Welt und Wahn zu entdecken im schriftstellerischen Debüt von Veit Sprenger, der 1997 das Per -formance-Kollektiv «Showcase Beat Le Mot» mitbegründet hat und bis heute unterwegs ist mit dem Ensemble. 77 tatsächliche Welten sind versammelt, weil Sprengers Kurz- und Kürzest-Geschichten durchweg in irgendeiner Art von Realität...
Es geht um Wahrheit. Quote ist was für Loser», sagt Rainald Goetz in «wrong», genauer in einem Interview mit Christoph Amend aus dem «Zeit-Magazin», das in diesem Sammelband abgedruckt ist. Damit liegt er natürlich komplett falsch, und das wusste er auch, als er es 2010 sagte. Im digitalen Zustand des Kapitalismus fällt eine Bastion der Wahrheit nach der anderen...
