Hinter den Fassaden

Gisèle Vienne und ihre Puppen sind bei der Berliner Art Week im Haus am Waldsee, im Georg-Kolbe-Museum und in den Sophiensælen gleich dreifach vertreten

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Ein sehr spezielles Welcome: Beim Eintritt in den Empfangsraum des Hauses am Waldsee, einem so renommierten wie abgelegenen Ausstellungshaus mit Park und Seezugang im waldigen Berlin-Zehlendorf, sitzt abgewandt von den Besucher:innen eine lebensgroße Teenager-Puppe auf einem Podest, das weißblonde Haar zurückgeworfen, den Blick auf einen zerknitterten Zettel in der Hand gerichtet, der nur zu sehen ist, wenn man die erratische Figur umrundet. Ein Brief an Rose, die von ihrer Freundin Klara vermisst wird.

Von dort ergibt sich die Sichtachse auf eine zweite weißblonde Teenagerin im Fila-Hoodie, die mit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegt, bewusstlos, tot? Im Raum hinter ihr haben sich mehrere Jugendliche auf, um und unter einem Bett versammelt, um sie herum Tabletten, leere Getränkedosen, zerknüllte Klamotten. Eine aus dem Ruder gelaufene Party, Katerstimmung? Eine Gewalttat an dem Mädchen, das am Boden liegt? Wir werden es nicht erfahren.

Die Blicke der Untoten, nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Kosmos der über 60 lebens -großen Puppen, die die Multikünstlerin Gisèle Vienne in den letzten 20 Jahren in ihren Inszenierungen, Choreografien und Ausstellungen eingesetzt hat, ...

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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt

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