Hinter den Fassaden
Ein sehr spezielles Welcome: Beim Eintritt in den Empfangsraum des Hauses am Waldsee, einem so renommierten wie abgelegenen Ausstellungshaus mit Park und Seezugang im waldigen Berlin-Zehlendorf, sitzt abgewandt von den Besucher:innen eine lebensgroße Teenager-Puppe auf einem Podest, das weißblonde Haar zurückgeworfen, den Blick auf einen zerknitterten Zettel in der Hand gerichtet, der nur zu sehen ist, wenn man die erratische Figur umrundet. Ein Brief an Rose, die von ihrer Freundin Klara vermisst wird.
Von dort ergibt sich die Sichtachse auf eine zweite weißblonde Teenagerin im Fila-Hoodie, die mit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegt, bewusstlos, tot? Im Raum hinter ihr haben sich mehrere Jugendliche auf, um und unter einem Bett versammelt, um sie herum Tabletten, leere Getränkedosen, zerknüllte Klamotten. Eine aus dem Ruder gelaufene Party, Katerstimmung? Eine Gewalttat an dem Mädchen, das am Boden liegt? Wir werden es nicht erfahren.
Die Blicke der Untoten, nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Kosmos der über 60 lebens -großen Puppen, die die Multikünstlerin Gisèle Vienne in den letzten 20 Jahren in ihren Inszenierungen, Choreografien und Ausstellungen eingesetzt hat, ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt
Am Anfang von Charly Hübners 108-Seiter «Wenn du wüsstest, was ich weiß» steht eine steile These. «Uwe Johnson» – so hörte sich der Schauspieler eines Tages in einer Drehbuchbesprechung mit zwei Autoren sagen – «ist eh der größte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.» Dann folgt, der schlagartig eingetretenen Stille und Irritation, ja leichten Empörung (und Thomas...
Als Jon Fosse im Vorjahr der Literaturnobelpreis verliehen wurde, hatte er das Stückeschreiben längst eingestellt und sich weitgehend der Romanproduktion zugewendet. Zu seiner Theater-Hochzeit aber, zwischen 2000 und 2010, wurden allein im deutschsprachigen Raum nicht weniger als 19 Fosse-Dramen erstaufgeführt, insgesamt umfasst seine Werkliste mehr als 30 Stücke....
Eigentlich sollte man grundsätzlich jeden Abend ins Theater gehen – als Kritiker:in sowieso –, aber wenn dort um 20:30 Uhr der Blick ins Handy verspricht, dass der Finanzminister gerade gefeuert wurde und die Regierung am Ende ist, während aus der Ukraine nur schlechte Nachrichten kommen und der nächste amerikanische Präsident seit dem frühen Morgen Donald Trump...
