Das andere Geschichtsdrama

Stefan Bachmanns letzte Inszenierung in Köln: die Uraufführung von Akın Emanuel Sipals «Akıns Traum vom Osmanischen Reich»

Theater heute - Logo

In der Schlange an der Kasse beim Drogeriemarkt in Gelsenkirchen – Türken, Kurden, Syrer, Iraker, Albaner, Ukrainer, Bulgaren, Rumänen, Tunesier. Alle aus ehemaligen Provinzen oder Vasallenstaaten des Osma -nischen Reichs. Mehr als die Hälfte der Be -wohner Gelsenkirchens kommen daher. Dieses Reich ist mitten unter uns, wir wissen es nur nicht. «Wer nicht von hier ist, hat auch nicht verdient, dass sich jemand mit dir und deiner Vergangenheit auseinandersetzt.

» So auf den bösen Punkt gebracht zitiert Akın Emanuel Sipals neues Stück «Akıns Traum vom Osmanischen Reich» die Rechtfertigung der Ignoranz. Dem will Sipal abhelfen: alternativer Geschichtsunterricht, Perspektivwechsel.

Gelsenkirchen ist der Wohnort des Autors, aber seine Herkunft ist gemischt: Schlesien, Türkei, alles dabei. In seinem Stück «Mutter Vater Land», das beim Mülheimer Stückewettbewerb 2022 den Publikumspreis erhielt (abgedruckt in TH 12/20), hat er schon seine Familiengeschichte erzählt. Jetzt weitet sich der Blick auf das ganze östliche Europa, Vorderasien und Nordafrika, und wir zoomen heran an Westanatolien im Jahr 1299. Osmans Traum vom Weltreich. Aber das Stück heißt «Akıns Traum». Die Mischung macht’s. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Das beispielhafte Leben des Samuel W.

Das vorliegende Theaterstück besteht aus über einhundert Gesprächen. Die meisten davon wurden real geführt zwischen Januar und September 2022, die anderen sind frei erfunden. Genau lässt sich das nicht mehr zuordnen, Schade.

Samuel W. wird während des gesamten Stücks nicht auf der Bühne zu sehen sein. Er sagt nichts, auch nicht aus dem Off. Ihn abzubilden oder in...

So viele Geschenke!

Sprachlos! Gar nichts sagen? Nein, das kann ich nicht, auch wenn ich mich so fühle, aber ohne Worte dich gehen lassen möchte ich, will ich nicht. Denn wir haben doch so viel ge -sprochen, und so viele Worte hast du geschrieben, die mich so berührt, so überrascht, so zum Lachen gebracht haben.

Was hast du geschrieben und geschrieben, jeden Tag, jeden Tag brachtest...

Er war supernett

Es war sehr schwierig, Ihre Figuren zu begreifen. Wer waren sie?» Das war die erste Frage beim Publikumsgespräch nach der Lesung von «Rocco Darsow» am Goethe-Institut Tokio im Juli 2016. Ich antwortete: «Es gibt keine Figuren, wir sind einfach wir selbst, die vier Schauspieler:innen.» Ein Zuschauer: «Aber welche Gefühle wollten Sie bei uns hervorrufen?» Ich:...