Das beispielhafte Leben des Samuel W.
Das vorliegende Theaterstück besteht aus über einhundert Gesprächen. Die meisten davon wurden real geführt zwischen Januar und September 2022, die anderen sind frei erfunden. Genau lässt sich das nicht mehr zuordnen, Schade.
Samuel W. wird während des gesamten Stücks nicht auf der Bühne zu sehen sein. Er sagt nichts, auch nicht aus dem Off. Ihn abzubilden oder in irgendeiner Form anzudeuten, ist zu unterlassen. Die Pause ist vorgegeben und zu finden auf Seite 42.
Das Stück ist für beliebig viele Spieler und Spielerinnen geschrieben, eine klare Zuweisung der Sprechrollen ist nicht vorgesehen. Ein paar Figuren gibt es aber doch:
Der Theatermann/Die Theaterfrau, zuständig für die Einführung in das Stück, auch nach der Pause
Bernd, der Kandidat für das Bürgermeisteramt
Ein Parteikollege/Eine Parteikollegin von Bernd
Achim, der Parteikollege von Samuel W.
Akt 1
Der Theatermann/Die Theaterfrau Stellen Sie sich ein Theater vor. Der große Saal, die Ränge, die Bühne, der rote, lange, schwere Vorhang, das Licht ist eingeschaltet, noch suchen alle ihre Plätze. Aber zur Abwechslung ist es mal nicht leer, nein, ganz im Gegenteil, es ist gefüllt bis auf den letzten Platz. Die Leute sind ...
LUKAS RIETZSCHEL, geb. 1994 in Räckelwitz (Sachsen) spürte mit seinem ersten Roman «Mit der Faust in die Welt schlagen» (2018) dem Lebensgefühl zweier ostdeutscher Brüder nach und beobachtete deren schleichende Radikalisierung; der 2021 erschienene Roman «Raumfahrer» erzählt von entwurzelten Menschen in Zeiten des Umbruchs. In Görlitz engagiert er sich zivilgesellschaftlich und arbeitet mit der Kunsthalle Görlitz an interdisziplinären und interkulturellen Begegnungen, Ausstellungen und Festivals. Am 20.1. kommt am Gerhart- Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau sein Auftragswerk «Das beispielhafte Leben des Samuel W.» zur Uraufführung.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2024
Rubrik: Das Stück, Seite 100
von Lukas Rietzschel
Sprachlos! Gar nichts sagen? Nein, das kann ich nicht, auch wenn ich mich so fühle, aber ohne Worte dich gehen lassen möchte ich, will ich nicht. Denn wir haben doch so viel ge -sprochen, und so viele Worte hast du geschrieben, die mich so berührt, so überrascht, so zum Lachen gebracht haben.
Was hast du geschrieben und geschrieben, jeden Tag, jeden Tag brachtest...
Die Hölle, das ist die Gemäldegalerie. Zumindest, wenn sie so kuratiert ist wie die, die Nadin Schumacher in die neu eröffnete Kleinbühne «Werkstatt» in der Thalia-Nebenspielstätte Gaußstraße gebaut hat: Einige Bilder sind beschmiert oder zerrissen, an einer Stelle hängt nur ein leerer Rahmen, ein weiterer Rahmen ist beschädigt, vor allem aber passt nichts...
Liebe. Wer hätte gedacht, dass alles auf dieses Wort hinausläuft? Vieles habe ich mit dem Theater von René Pollesch verbunden: «Postdramatik» und radikale Zeitgenossenschaft, Pop und Politik, Feminismus und Queerness, Witz und Theorie und den frühen Versuch, Autorschaft und Repräsentation im Theater neu zu denken. Aber Liebe? Wurde nicht «bei Banküberfällen» damit...
