Das andere Ende
Das Hamburger Thalia Theater hat eine solide Saison hinter sich. So verdiente wie altbekannte Regiekräfte wie Luk Perceval, Christopher Rüping und Johan Simons haben verlässliche, aber wenig spektakuläre Arbeiten gezeigt, die Auslastungszahlen sind okay, die Fähigkeit, gesellschaftliche Debatten mitzuprägen, ausbaufähig. Dass sich in der vorletzten Spielzeit von Intendant Joachim Lux auch noch eine Diskussion über die erbärmlich niedrige Frauenquote unter der Regieriege am Haus entspann, ist weniger optimal.
Und dass zum Saisonabschluss die schon lange am Haus präsente (und ab 2025/26 unter der designierten Intendantin Sonja Anders als Oberspielleiterin engagierte) Anne Lenk Gotthold Ephraim Lessings vielgespieltes Trauerspiel «Emilia Galotti» auf die Bühne bringt, elektrisiert auf den ersten Blick nicht allzu sehr.
Was Lenk natürlich weiß. Und die gesellschaftlichen Verwerfungen der Vorlage entsprechend konsequent abräumt: Die politische Relevanz des bei Lessing deutlich kritisierten Adels jedenfalls geht am Thalia des Jahres 2024 gegen Null. Jirka Zetts Prinz von Guastalla ist ein üppig alimentierter Grüßaugust, der vor Langeweile fast einschläft – seine gesellschaftliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Falk Schreiber
Dies ist meine erste Fahrt auf einem richtigen Motorrad. Ich sitze hinter Thomas, einem selbständigen Heizungsinstallateur aus Bitterfeld, auf seiner Honda, und mir wird etwas mulmig, als er auf der Landstraße zwischen Wolfen und Raguhn kurz auf 90 km/h beschleunigt und mir der Fahrtwind den nicht sehr gut sitzenden Leih-Helm nach hinten schiebt. Mit der einen Hand...
Als Albrecht Dürer 1515 das berühmte Rhinozeros mit dem Holzmesser in ein Druckbrett schnitt, da war die Migration hierzulande schon ziemlich alt. Die Hunnen kamen bereits im Jahr 375 nach Christi Geburt aus Asien ins Germanische geritten und lösten eine innereuropäische Migrationsbewegung von hoher Mobilität aus. Die sogenannte Völkerwanderung der Spätantike...
«Man darf die Brücken nicht abreißen lassen.» Theaterdirektor Karl spricht diese Worte mit Blick auf seine Frau Edda ebenso gelassen wie sehnsüchtig aus. Sie markieren den diskursiven Stand des Heute genauso wie die Moral von Kleists «Kohlhaas», der hier in Meiningen in einer Bearbeitung von Björn SC Deigner auf die Bühne in den Kammerspielen gekommen ist. Deigner...
