Crash of Culture
Warum wird man Terrorist? Warum setzt man sich mit einem Sprengsatz voller Schrauben vor dem Bauch in ein vollbesetztes Restaurant und jagt sich in die Luft, damit mehrere Dutzend unschuldige Mitmenschen in Stücke gerissen werden? Vielleicht, weil der eigene Bruder vorher von israelischen Sicherheitskräften während seiner Hochzeit hinterrücks erschossen worden ist? Oder vielleicht, weil der krebskranke Vater kurz hinter einem Checkpoint vor Erschöpfung auf der Straße elend gestorben ist und ihm keiner geholfen hat? Vielleicht, weil beides zu viel ist für einen Men
schen?
Maya Arad Yasur gibt starke Gründe für die 30-jährige palästinensische Krankenschwester Amal, die langsam von einer menschenfrohen Hoffnung zur lebenden Bombe wird. Und sie verschweigt auch nicht die starken Gründe, warum die israelischen Soldaten am Checkpoint so rücksichtslos handeln, wie sie handeln. Die Geschichte vom netten Soldaten Avihu, der immer Kekse an die Kinder verteilt hat, damit sie sich nicht vor ihm fürchten, und der schließlich von einer Spielzeugbombe zerfetzt wird, fehlt nicht in ihrer dramatischen Aufrechnung. Schließlich ist es die junge Soldatin Yael, die am Grenzübergang human handeln will ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille
Ständig wird man davor gewarnt und doch tun es alle: im Internet surfen und dabei – freiwillig oder unbewusst – jede Menge Datenspuren hinterlassen, aus denen sich intime Persönlichkeitsmuster und Konsumanfälligkeiten errechnen lassen. Die Münchner Theatermacherin Ana Zirner, die in der Vergangenheit schon unter Jugendlichen im Iran, Obdachlosen auf deutschen...
Wenn es schon kein anderer macht, muss man es eben selber tun: Die Dramaturgie des Berliner Ensembles, allen voran Peymann-Lebensgefährtin Jutta Ferbers, hat ihrem scheidenden Direktor ein Buch spendiert: «Claus Peymann – Mord und Totschlag». Hermann Beil zitiert im Vorwort Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon – «Lebenslängliche Theaterkerkerhaft / ohne die...
Gleißend wäre zu viel gesagt, aber ziemlich hell ist sie schon, die Bühne, die Lucas Devriendt für Julie van den Berghe aus schimmernden Plastikplanen gehängt hat. Von Devriendt heißt es im Programmheft, er stelle aus und lasse klassische Themen der Malerei im Heute spielen. Van den Berghe, geboren 1981, in der belgisch-niederländischen Theaterszene ein Begriff,...
