Schwertträger und Handyhalter
Es ist schon ein Kreuz mit der Kunst und dem Kapitalismus. Eine echte Liebesbeziehung im Stil feudalistischen Mäzenatentums will sich da partout nicht einstellen, zumindest nicht, wenn keine krisenfesten Sammlerwerte in Aussicht stehen. Stattdessen gefährdet die schnöde Profitgier die letzten Refugien von Poesie, wo geschriebene Worte und komponierte Töne noch frei von ökonomischen Interessen Ereignis werden dürfen.
Wurden in England schon schwach frequentierte Gotteshäuser kurzerhand zu Fitnessstudios oder Szenekneipen umfunktioniert, warum also nicht demnächst defizitäre Theater zu boomenden Einkaufszentren? Ausgehend von dieser deprimierenden Zukunftsvision hat Tankred Dorst zusammen mit Ursula Ehler ein Trost spendendes Zaubermärchen verfasst, bestens geeignet als aufrüttelnde Mahnwache für bedrohte Opernhäuser. Denn hier nehmen die verfolgten Geister ihre Rettung beherzt selbst in die Hand. Henry Purcells barocke Semiopera «King Arthur» mit gemischter Besetzung aus Sängern und Schauspielern dient nicht nur als dramaturgische Folie, sondern wird mit ihrem Personal aus Rittern, Nymphen und Zauberern zum lebendigen Bollwerk der Phantasie, das sich dem schnöde gewinnfixierten ...
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Was für eine Stadt! Gegen 23 Uhr arbeitet sich die Berichterstatterin einsam, Pfeifen hilft, am Parkrand entlang zum nicht minder leeren Boulevard, der eine Art Zentrum markiert. Beate Uhse und Rossmann flimmern verlassen vor sich hin, letzte Kunden drängeln am Tresen von McDonald’s. Vom stillen Hotel aus der Blick auf den stillen Opernplatz – kein Mensch, kein...
Die unwichtigsten Informationen werfen manchmal die größten Fragen auf: Für «Hautnah», den Film zum Stück, ist die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle)-Freigabe ab 6 Jahren beantragt. Auf welche Weise kann Patrick Marbers Quartett der Suchenden (nach Liebe, nach Orientierung und Nähe), können diese verbal freizügigen, mit Cybersex, Stripclubs und Verlassensängsten...
Was für ein Held! Johann Nepomuk Mälzel hat das Metronom erfunden, er hat künstliche Welten in Dioramen geschaffen, Automaten und Spielfiguren gebaut; er träumte von einer besseren Welt, und die Mechanik schien ihm der Schlüssel dazu. Er war ein leidenschaftlicher Schausteller und damit auch ein Dramatiker. Seine Welten sollten funktionieren. Das Werkzeug war fein...
