Chemnitz: Wer wollen will
Nun hat auch Chemnitz seinen kompletten «Faust» beisammen. Schauspieldirektor Carsten Knödler eröffnet zur neuen Spielzeit mit dem zweiten Teil der Goetheschen Höllenfahrt nach dem ersten des letzten Jahres, und knüpft auf jeden Fall genau da an, wo er den Vorhang fallen ließ. Wieder gibt Philipp Otto den Gelehrten und Dirk Glodde das Teufelchen, während Marko Bullack als weitgehend sprachlose, aber zuweilen singende Seele zumeist auf die Plätze verwiesen wird.
Es ist eine Inszenierung der großen Geste und der kraftvollen Striche, die in gut zweieinhalb Stunden das Wichtigste aus dem «Faust»-Konvolut zusammenrafft und auf den reinen Handlungsstrang reduziert. Auf der Strecke bleiben dabei nicht nur manch metaphysische und philosophische Ausschweifung, sondern auch die kleinen rhetorischen Auseinandersetzungen mit ihren glitzernden Perlen zwischen den beiden Protagonisten. Nur selten blitzt der feine Witz im groben Zuschnitt durch.
Aber das Gerüst trägt. Frank Hänig hat einen leicht schräg gekanteten Kasten mit fahrbarer Rückwand auf die Bühne des Chemnitzer Schauspielhauses gesetzt, der elegant die zahlreichen Auf- und Abgänge ermöglicht. Hinzu kommen jede Menge Bühneneffekte vom ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
Wer gegen die «Lügenpresse» wütet, der glaubt auch, dass Gender Mainstreaming ein perfides Programm zur Gleichschaltung des Begehrens sei und nennt politisch korrekte Sprachempfehlungen verächtlich «Neusprech». Pegida und AfD haben George Orwells 1949 erschienenen Roman «1984» genau gelesen, was absurderweise zur Folge hat, dass die totalitarismuskritische Dystopie...
Vor einem Jahr wurde das hochambitionierte Projekt aufgesetzt, mit der Frage aller Fragen, vor der sich unsere Gegenwart (und die politischen Institutionen) so erfolgreich (und vermutlich folgenreich) drücken: «Welche Zukunft!?» Wohin wird das führen, zehn Jahre weitergedacht, was längst schon tiefste Verunsicherung auslöst, Big Data, Klimawandel, der Zerfall der...
Von diesem Schatten geht nichts Gutes aus. Mondbleich starren die Schlosswächter aus ihrem Ausguckkasten heraus auf das Phantom, das über die nachtschwarze Zürcher Pfauenbühne schleicht. Polonius (Gottfried Breitfuß) steht dabei, Horatio auch (Edmund Telgenkämper), keinem will sich die Erscheinung erklären. Es ist der Geist der Endzeit, der hier umgeht. Das...
