Foto: Iko Freese
Carl Hegemann: Das Recht auf Flucht
Eben mal zwischen Volksbühnenabwicklung, Dernierenmarathon, dem großen Abschiedsfest auf der Rosa-Luxemburg-Straße und der letzten Gastspielreise nach Avignon den idealen Staat entwerfen? Für «Theater heute»? Auf nicht mehr als zwei bis drei Manuskriptblatt? Kein Problem: Dem Dramaturg in seiner berufsbedingten Vermessenheit ist nichts zu schwer, und diese Aufgabe gehört bei der Vielfalt seiner Tätigkeiten vielleicht noch zu den leichteren.
Den idealen Staat gibt es nämlich schon. Man findet ihn im Bienenstock oder im Ameisenhaufen.
Da läuft’s doch. Alles ist perfekt geregelt und greift ineinander wie in einer gut geölten Maschine. Und alle menschlichen Entwürfe eines idealen Staats laufen auf eine solche maschinelle Konstruktion heraus. Friedrich Hölderlin, der nebenbei auch ein tiefschürfender Staatstheoretiker war, behauptete allerdings, dass man von einer Maschine keine Idee haben kann und vom Staat also genauso wenig. «Denn nur, was Gegenstand der Freiheit ist, heißt Idee», schreibt er mit Hegel im «ältesten Systemprogramm». Und Maschinen, die sich ja grundsätzlich durch Berechenbarkeit definieren und zuverlässige Erwartbarkeiten produzieren, schließen genau deshalb jede ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 52
von Carl Hegemann
In Hans-Christian Andersens Märchen «Der Schatten» geht dieser seinem Herrn verloren und macht sich selbständig. Zu Beginn heiter skurril, endet die Geschichte denkbar düster. Der Doppelgänger gewinnt an Realität und Macht und wird zum Mörder seines ehemaligen Herrn. Ein Alptraum nach Kafkas Art. Der Verlust der eigenen Identität, Entfremdung, kollektive...
Das große Übel unserer Zeit sind sich radikalisierende religiöse Fanatiker aller Konfessionen. Da könnte ich jetzt einige Namen nennen, mach ich aber nicht, sonst werd ich ja gleich wieder verklagt, also versuche ich es mal anders: Der ideale Staat kennt eine strikte Trennung von Staat und Religion. Keine Religion wird einer anderen Religion über- oder...
EINS was die nicht verstehen
und in dieser sache unsren eltern
ähneln
ist der unterschied zwischen ihnen
die von irgendwo gekommen sind
und uns
die von nirgends anders her kommen
VIER es liegt auf der hand
es ist so klar
dass wir bloß gerade so
sehr knapp
an...
