Bücherwand Illyrien
Liebe? Doch wohl eher ein Großmeisterturnier in Wortverdreherei. Wer «Was ihr wollt» in Thomas Braschs Shakespeare-Übersetzung 20 Jahre später wiederliest, findet ein Blitzschach von Sprachzügen, in dem sich qualmende Hirne mit halsbrecherischen Eröffnungen gegenseitig aufs Kreuz legen, einander mitleidlose Matt-Schlachten und Stellungskriege liefern, bis die karierten Felder tanzen.
Kleines Beispiel für das Handbuch der unsterblichen Partien: Viola (weiß) zieht scheinbar harmlos einen getarnten Bauern: «Seid ihr die Herrin dieses Hauses?» Olivia (schwarz) dreht eine Rochade auf dem Absatz: «Wenn ich mich nicht anders vorstelle, als ich mich dir darstelle, bin ich’s.» Weiß kontert mit einer überkreuzten Doppelturm-Attacke: «Sicher, wenn Ihr Euch als was vorstellt, das sich anders vorstellt, als es sich darstellt, habt Ihr nicht das Recht, Euch dem anderen vorzuenthalten.» Schon qualmt das Brett, und was liegt näher, als Shakespeares Spielfeld Illyrien dahin zu verlegen, wo sich «Wort- und Mordlust nähern»: in eine schöne Bibliothek.
Muriel Gerstners teakfarbene Bücherwand ist zehn Meter breit, fünf Meter hoch, anderthalb Meter tief und umfasst schlappe 4500 Bände. Sie schließt die ...
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