Schöner wohnen, schneller schießen

Stephan Kimmig schärft am Thalia sein Ibsen-Profil mit «Hedda Gabler»

Theater heute - Logo

Langeweile, das klingt so harmlos. Das klingt nach schlaffem Händedruck, nach Erwachsenen, die episch Filme nacherzählen, die gerade im Kino laufen, oder Nieselregen im Theater. 

Dabei ist Langeweile heimtückisch. Als gut getarnte Mischung aus Sehnsucht und Aggression schlägt Langeweile Ausländer tot, verschleudert endlos Ressourcen und wählt die falschen Präsidenten. Sie motiviert die Armee zum Kampf, verletzt Vorstadtjugendliche bei Mutproben und hält die Süßwaren- und Ablenkungsindustrie in Schwung.

Nicht zuletzt zersetzt sie Moral, Solidarität und Vernunft, indem sie das Gemüt zum egoistischen Abenteuer drängt, ist aber auch ein großer soziologischer Vereinheitlicher, denn Langeweile trifft die Reichen wie die Armen – bei den Reichen sieht sie nur besser aus.

Wobei: Langeweile ist nicht nur schlecht. Als Tadel für den eigenen Antrieb kann sie Großes bewirken, und wohl abgewogen stabilisiert sie Persönlichkeiten. So wirken Menschen meist dann ausgeglichen und gut gelaunt, wenn von ihren beiden wichtigsten Daseinsgrößen Job und Beziehung nur eine prickelnd ist. Sorgen Arbeit und Liebe in gleichem Maße für Aufregung, hat man es meist mit eher komplizierten Menschen zu tun. Wird ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Till Briegleb

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gut parallel ist nie daneben

Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissene Sätze. Diese Sätze haben eine seltsame Eigenschaft: Sie sind immer wahr. Kein Kontext prüft sie mehr. Gezielt nach dem Bild des Zitats geschriebene Sätze nennt man Aphorismen. Ihr provokanter Scheintiefsinn schreit nach prüfender Vervollständigung, nach Kontext, nach Inszenierung. Doch relativ selten sind Motti und...

Sättigungsbeilage

Mit dem Gerät zerkleinert der Jäger und Sammler zumeist Hühnchen. Der Kiefer ist schwach, das Handwerkzeug aber willig. Nun ist es allerdings nicht so, dass der Held in Fausto Paradivinos Erstling aus dem Jahr 1997 Kannibalisches im Sinn hat, wenn er gleich zu Beginn sagt, er werde die Leiche wohl mit einer Geflügelschere zerkleinern, dann eine Hälfte einfrieren...

Ach, Freunde: Wir wollen doch nur euer Geld

Wird Basel Provinz?», fragte das städtische Theater jüngst in einer Podiumsrunde. Und wer die Basler kennt, ihren Stolz auf die ortsansässigen Global Players aus der Pharma- und Kulturindustrie, ihren inneren Drang nach Weltoffenheit, der eine Mischung ist aus Sehnsucht und Selbstdarstellung – der kann sich vorstellen, dass sie keine Antwort auf diese Frage mehr...