Bücher: Die Anti-Aristotelikerin

Florence Dupont dekonstruiert die Poetik des Aristoteles

Theater heute - Logo

Eine «Kriegsmaschine gegen die Institu­tion Theater», das ist für Florence Dupont die «Poetik» des Aristoteles. Der Philosoph, ein Fremder in Athen, der nie bei den Dionysien dabei war, sauge mit ihr der «lebendige(n) Kunst» und «volkstümliche(n) Praxis» das Blut aus. Denn Theater werde darin auf die «Darstellung einer Geschichte» reduziert, auf die Funktion der «Mimesis».

Dagegen war es, wie zumindest die Theateranthropologie lehrt, ein Ereignis, ein Fest der Eintracht, von Wettkampf, Musik, Chören, der Idee des «Kairos», des günstigen Augenblicks, und des «prepon», des Passenden, nicht ablösbar. Die Spiele waren Teil eines Rituals der Rückkehr der jungen Männer in die Stadt. Ihre Eingliederung ging dabei in einer Art von Karneval einher mit der Alteritätserfahrung der Ausgeschlossenen – der Frauen, Sklaven, Tiere, über die sich die athenischen Bürger erhoben. Von alledem sehe Aristoteles ab, mache aus dem Theater einen objektivierbaren Text, mit desaströsen Folgen.

Nun gehört es zu den Gemeinplätzen der Theaterwissenschaft, dass die Geringschätzung der Aufführung – der «Opsis» – in der «Poetik» eine der Quellen der abendländischen Theaterfeindschaft wie der noch immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Nikolaus Müller-Schöll

Weitere Beiträge
Basel: Im Überwachungs­dilemma

Vier Aktivisten, schutzatmosphärisch in Kapuzenanzüge verpackt. Vier identische Tischblöcke, als Laborfläche wie als Schreibdesk nutzbar. Mehr braucht es in der Vorstellung des ungarischen Regisseurs András Dömötör offenbar nicht, um die ewig erregungssüchtige digitale Öffentlichkeit mit dem nächsten Scoop zu versorgen. 

Tarifpolitisch korrekt steht dem anonymen...

Daten (2/2019)

Aalen, Theater der Stadt
16. Macmillan, All das Schöne

R. Jonathan Giele
19. nach Hoffmann, Der goldene Topf
R. Tonio Kleinknecht 

Altenburg/Gera
15. Walser, Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel

R. Holk Freytag 

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
10. Lund und T. Zaufke, Grimm! Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf

R. Tamara Korbe 

Ansbach,...

Nachgespielt: Hurra! Revolution!

Es ist dunkel. Und kalt. Und muffig. Die Zuschauer werden durch einen Keller gescheucht und sollen sich in das Dasein von Tagelöhnern im Kiel des Jahres 1918 einfühlen, eingezogen zu niedrigsten Arbeiten auf einem Kriegsschiff, Kohlen schippen und so, fürs Vaterland. «Es geht gegen England!», brüllt einer, und das Publikum: «Hurra! Hurra! Hurra!» Aber die...