Mannheim: Mythentaucher

Dlé «Der Fluch der Tantaliden»

Theater heute - Logo

Sollte es bislang problematisch gewesen sein, Pubertierende für die antike Familienaufstellung des Tantaliden-Geschlechts zu interessieren, dürfte die mythologische Rap-Oper des Hip-Hop-Trios Dlè weiterhelfen. Wir erinnern uns: Am Anfang steht ein kannibalisches Abendmahl, in dessen Verlauf der Zeus-Sohn Tantalos die Götter in Versuchung führt und ihnen den eigenen Sohn Pelops als Barbecue serviert.

Es kommt, was kommen muss: Die Götter verfluchten das Geschlecht der Tantaliden, was wiederum zur Folge hatte, dass so illustre Namen von Mord- und Rachetätern wie Agamemnon, Klytaimnästra, Aigisthos, Elektra und Iphigenie auftauchten. Bis hin zu Orestes’ Freispruch durch Athene sind irgendwann dann all die Geschichten erzählt, die Grundlage weiter Teile der epischen und dramatischen Literaturproduktion des Abendlandes wurden.

Will man das in einer Stunde zwanzig nacherzählen, sollte man Mut zur Lücke haben. Die Mannheimer Tantaliden-Erzähler machten aus der Not der Materialfülle eine Tugend der Shortstory. Der Abend funktioniert als spritziges Mythen-Konstrukt, auch wenn immer mal wieder ein für den Rap typischer Overkill der Binnenreime nervt. 

Auf Tonträger erschienen ist der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Bremen: Das war lustig!

Cineasten sind entsetzt: Angeblich wirken aufwändige Cinemascope-Filme auf modernen Fernsehern wie billige Seifenopern. Weil die TV-Geräte digital berechnete Bilder zwischen die einzelnen Filmbilder setzen würden, um so einen flüssigeren Bildablauf zu gewährleisten; «Motion Flow», «Tru Motion» oder «Intelligent Frame Creation» heißt das. Wahrscheinlich kann man nur...

Weimar: Die Kolonialisten

Wie lassen sich zwei Zipfel Theatergeschichte zu einem zeitgenössischen Unterhaltungsabend verknoten? Angestrengt sächselnd zwängt sich Nadja Robiné in den Fahrstuhl nach Peru, also in Heiner Müllers Ausbruchs-Fantasie eines zentraleuropäischen Bürokraten (alias der «Mann im Fahrstuhl»). Es ist das Intro zu diesem Doppelabend von Christian Weise im Weimarer E-Werk,...

Das große Gestern

Wenn Ludger Fuchs, der alte Stasi-Mann, mit seinen ergrauten Kumpels von Horch&Guck in der Eckkneipe abhängt, wird nicht nur über die per Einheitsvertrag gekürzte Rente gejammert. Nein, es wird sogar ziemlich philosophisch: «Lieber eine gute Lüge als eine beschissene Wahrheit», meint Ludger, der Lügenartist, denn so eine Lüge sei einfach ehrlicher. Schließlich lüge...