Mannheim: Mythentaucher
Sollte es bislang problematisch gewesen sein, Pubertierende für die antike Familienaufstellung des Tantaliden-Geschlechts zu interessieren, dürfte die mythologische Rap-Oper des Hip-Hop-Trios Dlè weiterhelfen. Wir erinnern uns: Am Anfang steht ein kannibalisches Abendmahl, in dessen Verlauf der Zeus-Sohn Tantalos die Götter in Versuchung führt und ihnen den eigenen Sohn Pelops als Barbecue serviert.
Es kommt, was kommen muss: Die Götter verfluchten das Geschlecht der Tantaliden, was wiederum zur Folge hatte, dass so illustre Namen von Mord- und Rachetätern wie Agamemnon, Klytaimnästra, Aigisthos, Elektra und Iphigenie auftauchten. Bis hin zu Orestes’ Freispruch durch Athene sind irgendwann dann all die Geschichten erzählt, die Grundlage weiter Teile der epischen und dramatischen Literaturproduktion des Abendlandes wurden.
Will man das in einer Stunde zwanzig nacherzählen, sollte man Mut zur Lücke haben. Die Mannheimer Tantaliden-Erzähler machten aus der Not der Materialfülle eine Tugend der Shortstory. Der Abend funktioniert als spritziges Mythen-Konstrukt, auch wenn immer mal wieder ein für den Rap typischer Overkill der Binnenreime nervt.
Auf Tonträger erschienen ist der ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Jürgen Berger
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