Brennende Migranten, stupide Europäer und korrupte Politiker
Sobald die Berge hinter Paarl überflogen sind, fällt das Flugzeug in kleine Luftlöcher und hat Afrika beinahe hinter sich gelassen. Unter uns erstreckt sich seine südlichste Region, das Western Cape. Die sanfte Landschaft aus Hortensienalleen und ganze Täler bedeckenden Weinplantagen wird nur noch vom beeindruckenden Tafelbergmassiv gebrochen, dem scheinbar letzten Bollwerk der Erde. Hinter den südlichsten Zipfeln des Kontinents, dem Kap der guten Hoffnung und dem Kap Agulhas, vereint sich der Atlantik mit dem Indischen Ozean.
Gen Süden treffen die Wellen erst wieder an der Antarktis auf Festland. Die Stadt am Kap schmiegt sich an die Ausläufer des Tafelbergs und die zwölf Apostel, eine Felskette, die sich entlang der Küste erstreckt. Ein beeindruckendes Naturschauspiel.
Im Taxi vom Flughafen in die Stadt schlägt die Stimmung um. Die Autobahn durchkreuzt die großen Townships, der Zauber scheint verflogen; die kilometerlang aneinandergereihten Blechhütten zeugen von Armut und Hoffnungslosigkeit. Die beschämende Szenerie des menschenverachtenden Machtmissbrauch der Apartheid dauert an: Dort, wo die Despoten jener Zeit andere ethnische Gruppen in Siedlungen interniert und von den ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Julius Heinicke
«Tja, das war der Drache.» Noch bevor der Vorhang sich öffnet, resümiert Hebbel persönlich (Wolfgang Rüter) die ruhmreichen Taten seines Helden. Des Dichters lässige Vorrede ist amüsant und befremdlich zugleich: Mit seinen Zwergenkämpfen und Drachenblutbädern wirkt der Nibelungenstoff nicht heroisch, sondern altbacken und unfreiwillig komisch. Vielleicht ist er im...
Es läuft rund. Ein klaffender Trichter, von einem Gerüst mit Podien, Treppen, Rampen gestützt, dreht sich auf der Bühne wie ein Hamsterrad. Oder ein Roulette, das es assoziiert, denn wir sind in Roulettenburg, Dostojewskis fiktiver deutscher Stadt, montiert aus Wiesbaden, Bad Homburg und Baden-Baden.
Geld um jeden Preis: Spielen wird zur Metapher des ökonomischen...
Der Titel lässt an süddeutsche Provinz denken, Fachwerkidylle und Kleinstadtenge. Doch damit liegt man natürlich völlig daneben, wie mit so vielen Erwartungshaltungen an diesem in mancherlei Hinsicht überraschenden Abend. Zunächst einmal ist es schon erstaunlich, dass der belgische Tanztheatermacher Alain Platel, bestens vernetzt mit einschlägigen...
