Außer Atem

nach Dostojewski «Der Spieler»

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Es läuft rund. Ein klaffender Trichter, von einem Gerüst mit Podien, Treppen, Rampen gestützt, dreht sich auf der Bühne wie ein Hamsterrad. Oder ein Roulette, das es assoziiert, denn wir sind in Roulettenburg, Dostojewskis fiktiver deutscher Stadt, montiert aus Wiesbaden, Bad Homburg und Baden-Baden.

Geld um jeden Preis: Spielen wird zur Metapher des ökonomischen Prinzips, in dem die paar Menschen um die Familie des klammen Generals Sagorjanskij gefangen sind, voran der Hauslehrer Alexej Iwanowitsch.

Allesamt sind es Anti-Rationalisten und Anti-Kapitalisten, die den Zufall vergöttern und doch zugleich nach Gewinn und Verlust rechnen. Die Motorik des Edgar Eckert als Alexej – Hände, Füße, Augen, Mundwerk, der ganze Körper – verrät den Suchtkranken in seiner Selbstvergeudung. Alles muss raus. Ist in Aufruhr. Überschlägt sich. Er gibt seinem Schnell-Sprech mit flatteriger Stimme Form und Struktur, nicht nur unter Konditions-Aspekten eine Meisterleistung.

Martin Laberenz hat Eckert und dessen Gegenmodell, Sebastian Grünewald als stoischer Engländer Mister Astley, der gedankenvoll, undurchdringlich, in wacher Schläfrigkeit an der Rampe sitzt, während über ihm der Irrsinn abgeht, aus ...

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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Düsseldorf Schauspiel, Seite 56
von Andreas Wilink

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