Bremen: Das war lustig!
Cineasten sind entsetzt: Angeblich wirken aufwändige Cinemascope-Filme auf modernen Fernsehern wie billige Seifenopern. Weil die TV-Geräte digital berechnete Bilder zwischen die einzelnen Filmbilder setzen würden, um so einen flüssigeren Bildablauf zu gewährleisten; «Motion Flow», «Tru Motion» oder «Intelligent Frame Creation» heißt das. Wahrscheinlich kann man nur als echter High-End-Freak die Brisanz dieses Themas richtig einschätzen.
Jedenfalls ist es wohl so, dass Bilder auf neuen Fernsehgeräten einen eher flachen Eindruck erzeugen.
Und es fasziniert, mit welcher Kunstfertigkeit Felix Rothenhäusler diese eindimensionalen Bilder für die deutschsprachige Erstaufführung von Jonathan Safran Foers Roman «Hier bin ich» ins Theater überführt. Angefangen bei Katharina Pia Schütz’ kulissenhaft-detailgetreuer Wohnküchen-Bühne über Elke von Sievers’ immer ein kleines bisschen jenseits des Realismus angelegte Kostüme bis zur narkotisierten Performance des Bremer Ensembles: eine Seifenoper. Was vor dem Hintergrund, dass «Hier bin ich» ursprünglich gar kein Roman war, sondern ein Drehbuch für eine letztendlich nicht realisierte Serie des US-Pay-TV-Senders HBO, eine gewisse Schärfe gewinnt. ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Falk Schreiber
Pinkfarbene Wolken, stahlblauer Himmel, Modellhausfassaden, die betont kulissenhaft ins Bild ragen, Interieurs wie aus einem Bühnenbild von Susanne Kennedy: Realismus regiert definitiv nicht in Lola Randls Komödie «Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer». Eine Mischung aus Truman-Show und Jacques-Tati-Reminiszenz bildet den blitzeblank-bonbonbunten...
Das fing doch gut an. Erst gab es Proteste, weil Milo Rau dem zwölfköpfigen Ensemble des traditionsreichsten Theaters des flämischen Belgiens kündigte – das letzte seiner Art, durchbezahlt trotz dreijähriger Schließung wegen Renovierung. Rau will, um das siebte Gebot seines Genter Theatermanifests zu erfüllen («mindestens zwei der Darsteller auf der Bühne dürfen...
Im Wasserbassin stampfen, treten, stöhnen und schreien vier Schauspielerinnen und vier Schauspieler. Die Männer treiben die Frauen an: «Come on!», schreien sie, «weiter!» Mit Kraft, Zorn und Lebenswillen feuern sie die Kranken an, feuern sie an in ihrem Kampf gegen den Krebs. In der dunklen Weite des Bockenheimer Depots sind nur die Leiber der Spieler*innen...
