Bochum: Skandal verbal
Den Anfang macht eine Zirkusnummer: Eine Frau im märchenhaften Kinderkleid wird nur an den Haaren hängend aus der Versenkung in den Bühnenhimmel gezogen, dabei dreht sie sich wie tanzend um sich selbst. Wir sind, so scheint es, in einer Art Kinderbelustigung für Erwachsene. Sechs Gestalten, einheitlich grell geschminkt, kichern und lassen die Zungen kreisen. Seltsame Clowns in aufgedonnerten, historisierend klerikalen Kostümen, weitschwingende Nonnenhauben, eine schwarze Bischofsmütze, ein schwarzer Blütenkranz, eine schwarze Strahlenkrone (Kostüme: Victoria Behr).
Was sie dann reden, ist nichts für Kinder (auch nichts für manche Erwachsene, die in der Premiere fluchtartig die Vorstellung verließen). De Sades «Philosophie im Boudoir» wurde 1794 im Gefängnis geschrieben. In den Dialogen geht es um die Einweisung der Klosterschülerin Eugénie in sexuelle Ausschweifungen aller Art. Das ist kaum zu lesen, geschweige denn auf die Bühne zu bringen. Aber Herbert Fritsch findet einen Weg: Die Lust wird lustig. Sein Humor macht die härteste Pornographie heiter und die blutigste Brutalität erträglich.
Nichts wird gezeigt, alles gesagt. Keine Figur verfestigt sich. Der Text flottiert frei ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Gerhard Preußer
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Es gibt derzeit kaum ein Stück, das in derart simplen Lehren aufzugehen scheint wie «Macbeth» von Shakespeare. «Blut will Blut», wie es in der verdunkelten Fassung von Heiner Müller (aus dem Jahr 1972) heißt. Oder auch: «Himmel und Hölle haben einen Rachen / Mein Tod wird Euch die Welt nicht besser machen.» Allerorten wird gerade die Öffnung dieses Höllenrachens...
