Haltung ohne auszugrenzen

Die AfD als Sammelbecken rechter Gruppierungen versucht, über ihre Kulturpolitik zu spalten – dagegen solidarisieren sich Kulturinstitutionen und Theatergruppen als «Die Vielen»

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Für die Geschichte der Demokratie in Deutschland ist der 9. November der wohl ambivalenteste Jahrestag: 1918 markiert er das Ende der Novemberrevolution mit der Ausrufung der ersten demokratischen Republik, 1938 den Umschlag der Diskrimi­nierung jüdischen Lebens im Dritten Reich in seine offene Verfolgung und Vernichtung, 1989 den Fall der Berliner Mauer und damit das Ende der DDR-Diktatur. 

Dass am 9. November 2018, dem 80.

Jahrestag der Reichspogromnacht, der Verein «Wir für Deutschland» mit der bewusst missverständlich «Trauermarsch für die Opfer von Politik» betitelten Demonstration die Opfer des Nationalsozialismus missbrauchen könnte, um die Berliner Stadtmitte und den symbolischen Raum des Gedenkens mit rechtsradikaler Propaganda zu besetzen, war lange Zeit schwer vorstellbar. Zwar marschierten dann am 9. November tatsächlich nur versprengte 100 «Patrioten». Doch ihr Versuch, den gesellschaftlichen Konsens aufzukündigen, demzufolge der Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 kein «Vogel­schiss» (Alexander Gauland) war, sondern die «größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte» (aus der «Erklärung der Vielen») verursacht hat, ist symptomatisch. 

Auf diese ...

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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Report, Seite 30
von Anja Quickert

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Daten (2/2019)

Aalen, Theater der Stadt
16. Macmillan, All das Schöne

R. Jonathan Giele
19. nach Hoffmann, Der goldene Topf
R. Tonio Kleinknecht 

Altenburg/Gera
15. Walser, Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel

R. Holk Freytag 

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
10. Lund und T. Zaufke, Grimm! Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf

R. Tamara Korbe 

Ansbach,...

Die schwarze Katze des Theaters

Es gibt derzeit kaum ein Stück, das in derart simplen Lehren aufzugehen scheint wie «Macbeth» von Shakespeare. «Blut will Blut», wie es in der verdunkelten Fassung von Heiner Müller (aus dem Jahr 1972) heißt. Oder auch: «Himmel und Hölle haben einen Rachen / Mein Tod wird Euch die Welt nicht besser machen.» Allerorten wird gerade die Öffnung dieses Höllenrachens...