Freiburg: Beziehungsbiester
Ein Boxring, nur ohne Sicherheitsseil. Ein festungsfelsgraues Plateau, nur ohne Landschaft. Darauf zwei Sparringspartner, nur voneinander abgewandt. Die szenische Ausgangslage, die die niederländische Regisseurin Liliane Brakema im Freiburger Theater für August Strindbergs «Totentanz» wählt, spottet jeder Ehebeschreibung. Edgar und Alice, die verkannte Schauspielerin und der entthronte Offizier, führen einen Haushalt von der Ausstrahlung eines erkalteten Heizkörpers. Der bildet prompt das einsame Bühnenmöbel auf Sammy van den Heuvels sparsam ausgeleuchteter Podestinsel im Kleinen Haus.
«Wollen wir spielen?», bricht der Artillerist das routiniert frostige Schweigen. Aber nein, das will das Paar recht lange nicht in dieser Inszenierung. Bis die Rede auf Kurt kommt. Kurt, den Quarantänemeister. Da knickt Marieke Kregels Hüfte ab, tänzerisch und eine Spur zu kokett, als dass ein Publikum im Unklaren bliebe, wo genau Kurt zwischen Edgar und Alice steht. Nämlich mitten im Weg, und das seit 15 Jahren, obwohl er sich nicht hat blicken lassen in dieser Spanne.
Jetzt, da Martin Hohners Kurt wie durch unsichtbare feindliche Linien zum Rencontre aufs Podest kriecht, ist das Trio sichtlich ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Stephan Reuter
Ein Mann kommt abends zur Tür herein, zurück in den Schoß der Kleinfamilie, und sieht sich selbst am Tisch sitzen. Verständlicherweise reagiert er nicht gerade begeistert, zumal die Restfamilie so tut, als wäre alles in Ordnung. So beginnen spätestens seit der Romantik Identitätskrisen, die den scheinbar festgefügten Alltag aus den Angeln heben. Bald werden sich...
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Das Original ist eine Idee des 19. Jahrhunderts. 1886 kam es zur «Berner Übereinkunft», einem multilateralen Abkommen über das Urheberrecht. Angeschoben von niemand Geringerem als Victor Hugo, der selbst sehr klar zwischen dem materiellen Buch und dem ihm innewohnenden freien Gedanken unterschied. So begann die Einführung des Urheberrechts als Satzung und somit die...
