Bonn: Kunstkampflust
Künstlerpaare regen die Fantasie an. Besonders mythenumflort ist die Beziehung zwischen Camille Claudel und Auguste Rodin, denn sie kündet von Leidenschaft und Tragik zugleich. Besessen von der Bildhauerei, stachelten sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und revolutionierten das Kunstverständnis ihrer Zeit. Bekanntlich ging die Geschichte nur für ihn gut aus: Nach der Trennung von Rodin schuf Claudel zwar großartige Kunstwerke, starb jedoch vergessen und verarmt in der Irrenanstalt, er hingegen wurde als ruhmreicher Künstler bereits zu Lebzeiten gefeiert.
Zu den zahlreichen filmischen und literarischen Bearbeitungen dieses Stoffes gesellt sich nun eine dramatische. In einem verschlungenen Sprachspiel verhandelt Anja Hilling chronologisch die Liebes- und Leidensgeschichte der beiden Ausnahmetalente: Von der ersten Begegnung der neunzehnjährigen Claudel mit dem über zwanzig Jahre älteren Rodin in seinem Atelier, über die intensiven gemeinsamen Schaffensphasen bis hin zu Claudels letzten Jahren in der Anstalt. Dabei identifiziert sich Hilling eindeutig mit Claudel und befragt über sie auch die Position der Künstlerin in der heutigen Zeit. Ein Brückenschlag, der ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
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Beginnen wir mit dem Logo. «D’haus» bezieht sich auf das Kürzel, das gelegentlich benutzt wird, um die Landeshauptstadt «D’dorf» auf kompaktes Format zu stutzen (Köln derart kleiner zu kriegen, funktioniert nicht). Ist es eine Geste der Selbstbescheidung? Annäherungsversuch an das umliegende «Dorf»? Oder reagiert das Label ironisch-bitter auf die für das...
Dario Fo wollte im Theater sterben. Das heißt: Am liebsten wollte er natürlich gar nicht sterben. Wie er 2003 im Marcel-Proust-Fragebogen des «Corriere della Sera» angab, war ihm der Tod das größte Unglück. Nicht das Sterben allerdings, sondern «… nicht mehr zu leben».
Schon sein Großvater hatte diese feine Unterscheidung getroffen. Großvater Bristin,...
Begegnungen mit dem Schauspieler Franz Rogowski. Das erste Mal: 2011 in Salzburg. Wir saßen mit Philipp Hochmair in einem Café abseits des Festspieltrubels und sprachen über den «Faust» von Nicolas Stemann, der in den nächsten Tagen Premiere haben würde. Auf einem Rennrad mit für das Kopfsteinpflaster viel zu dünnen Reifen kam ein junger Mann mit höchst...
