Bonn: Kunstkampflust
Künstlerpaare regen die Fantasie an. Besonders mythenumflort ist die Beziehung zwischen Camille Claudel und Auguste Rodin, denn sie kündet von Leidenschaft und Tragik zugleich. Besessen von der Bildhauerei, stachelten sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und revolutionierten das Kunstverständnis ihrer Zeit. Bekanntlich ging die Geschichte nur für ihn gut aus: Nach der Trennung von Rodin schuf Claudel zwar großartige Kunstwerke, starb jedoch vergessen und verarmt in der Irrenanstalt, er hingegen wurde als ruhmreicher Künstler bereits zu Lebzeiten gefeiert.
Zu den zahlreichen filmischen und literarischen Bearbeitungen dieses Stoffes gesellt sich nun eine dramatische. In einem verschlungenen Sprachspiel verhandelt Anja Hilling chronologisch die Liebes- und Leidensgeschichte der beiden Ausnahmetalente: Von der ersten Begegnung der neunzehnjährigen Claudel mit dem über zwanzig Jahre älteren Rodin in seinem Atelier, über die intensiven gemeinsamen Schaffensphasen bis hin zu Claudels letzten Jahren in der Anstalt. Dabei identifiziert sich Hilling eindeutig mit Claudel und befragt über sie auch die Position der Künstlerin in der heutigen Zeit. Ein Brückenschlag, der ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
von
Die berühmte Eingangswendung des Dramas ist ausgespart: «Das Land der Griechen mit der Seele suchend», sowas kommt dieser Iphigenie nicht mehr in den Sinn. Auf hohem Podest steht sie, die verschollene Tochter des Troja-Fahrers Agamemnon, die als Priesterin auf Tauris Unterschlupf gefunden und dem eingeborenen Volk das Menschenopfer abgewöhnt hat.
Heimkehr,...
Die Zeitungen sind auch an dem Morgen, an dem dieser Artikel entsteht, voll. Voll von deutschen Waffen, die im Ausland töten. Jemen. Nordafrika. Ganz aktuell. Die Rüstungsindustrie auf dem Vormarsch. Kein Geheimnis, vielleicht ein Tabu, unsere Gewehre verkaufen sich nun mal gut. Besonders die aus Oberndorf, einem kleinen Ort in Schwaben, wo gleich zwei große...
Dario Fo wollte im Theater sterben. Das heißt: Am liebsten wollte er natürlich gar nicht sterben. Wie er 2003 im Marcel-Proust-Fragebogen des «Corriere della Sera» angab, war ihm der Tod das größte Unglück. Nicht das Sterben allerdings, sondern «… nicht mehr zu leben».
Schon sein Großvater hatte diese feine Unterscheidung getroffen. Großvater Bristin,...
