Bloß nicht nachdenken
Die Tür klemmt, fliegt dann mit einem Ruck auf, ein Knäuel Personen poltert in die leere Altbauwohnung, die Letzte bleibt mit ihrer Handtasche am Türknauf hängen.
Huch! In der ersten Sekunde ist eigentlich alles klar über diesen Abend, «Der Haken», uraufgeführt am Schauspiel Bonn in der Regie von Roland Riebeling: Schauspielerisch sind alle ständig etwas drüber, große Augen, große Gesten, so wie man sich am Theater eine Sitcom vorstellt; Kostüm- und Bühnenbild (Nini von Selzam, Tom Musch) sind auf biedere Art witzig, Beispiel Schranktür, die wiederholt aufspringt und den Blick auf gehortetes Klopapier freigibt; die überschaubare Handlung kombiniert kalkuliert ein Aufregerthema, hier die Wohnungsnot, mit möglichst vielen Boulevardelementen.
Der größte Haken in der Storyline ist nicht der pflegebedürftige alte Vermieter der Wohnung, die im Stück von Sarah Nemitz und Lutz Hübner 110 Minuten lang besichtig wird. Sondern dass hier Menschen über den Wohnungsmarkt schreiben, die, so scheint es, lange keine Wohnung mehr suchen mussten. Anders ist schwer zu erklären, mit welcher Arroganz und Penetranz die Interessent:innen den nerdigen Vokuhila-Neffen des Vermieters mit Fragen in die Enge ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Cornelia Fiedler
Es ist eine sehr amerikanische Geschichte um Geld, Macht und natürlich Liebe. «The Great Gatsby» von F. Scott Fitzgerald, mittlerweile fast 100 Jahre alt, bietet sich auch oder gerade heute an, da die 1920er gerade wieder popkulturell erschlossen werden. In Cottbus hat Philipp Rosendahl, seit dieser Spielzeit zusammen mit Armin Petras und Franziska Benack (beim...
Da steht es, das vielgepriesene Werk. Hoch auf der Statue, wie ein Denkmal. Die Taschenbuchausgabe von Albert Camus, «L’Étranger», «Der Fremde». Immer noch einen Gipsblock schichten die Schauspieler auf, um das Werk des Nobelpreisträgers in schwindelerregende Höhen zu hieven. Aber steht es da richtig, so weit oben?
Nein, sagt Mounir Margoum. Camus schreibt,...
Im November 2022 hob der Woiwode der Region Masowiens, Konstanty Radziwiłł, die Anordnung des Warschauer Präsidenten Rafał Trzaskowski über die Ernennung der Theaterregisseurin Monika Strzepka zur Leiterin der größten Bühne der Stadt, des Teatr Dramatyczny, auf. Seine Entscheidung sorgte für Aufruhr in der polnischen Theaterlandschaft und löste hitzige Debatten in...
