Blind Date mit dem Zuschauer
Haltung mit Unterhaltung», so lautet das Motto der ersten Spielzeit, die die neue Intendantin Bettina Jahnke fürs Potsdamer Hans Otto Theater geplant hat. Das klingt ein bisschen wie Eier legende Wollmilchsau, denn Haltung ist ja jenes Unbeugsame, das erst im Widerspruch zur Allgemeinfreundlichkeit zur Deutlichkeit gelangt. Die Unterhaltung möchte jedermann erreichen.
Der eingebaute Widerspruch durchzog die Antrittsinszenierung Bettina Jahnkes, die Haltung zeigt zur eigenen Herkunft: Die gebürtige Wismarerin eröffnete mit Eugen Ruges Bestseller-Roman und DDR-Befragung von 2011, «In Zeiten des abnehmenden Lichts». Ein ehrgeiziges Unterfangen, diesen multiperspektivischen Roman über drei Generationen einer Funktionärsfamilie bühnentauglich zu machen, an dem vor fünf Jahren bereits Stephan Kimmig am Deutschen Theater scheiterte.
Haltungsfragen im untergehenden Licht
Jahnke entscheidet sich für die Perspektive ihrer eigenen Generation: für Alexander, auch das Alter Ego Eugen Ruges. Der Enkel des strammen DDR-Kommunisten Wilhelm und Sohn des wankenden Historikers Kurt sitzt in einem Imaginationsraum, den Juan Leon auf die Vorderseite der Drehbühne im Großen Haus gebaut hat, ein grauer ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Start Potsdam, Seite 41
von Barbara Burckhardt
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