Lübeck/Stuttgart: Sex, Drogen, Untote
Von allen Schreckgestalten ist der Vampir die explizit queerste: sexuell aktiv, effeminiert, hochsensibel, schillernd zwischen Gefahr und Lust. Der Immobilienmakler (Niko Eleftheriadis) in Sivan Ben Yishais «Die tonight, live forever. Oder: Das Prinzip Nosferatu» ist entsprechend die Schrumpfversion des Vampirs. Er hockt in einem Businesshotel, vertickt Luxusimmobilien an reiche Provinzler, fürchtet das Perspektivgespräch mit seiner Chefin und sehnt sich nach dem schwulen Nachtleben der Großstadt; den Kontakt zur dunklen Seite nimmt er über eine Dating-App auf.
Die Makler-Geschichte ist die erzählerisch ergiebigste von drei ineinander geschobenen Geschichten in «Die tonight, live forever». Immerhin vollzieht sich hier eine halbwegs nachvollziehbare Handlung, die über das Motiv des an der Grenze zur Dunkelheit wandelnden Maklers auch noch einen Bezug zu Bram Stokers «Dracula» aufweist: Der Protagonist geht entgegen jeder Vernunft auf ein Sexangebot ein, landet in den Katakomben von Paris, nimmt Drogen, hat ungeschützten, blutigen Sex und entdeckt irgendwann, dass sein Spiegelbild verschwunden ist. Sex, Drogen, Untote – angesichts dieser inhaltlichen Wucht kommen die beiden anderen ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Falk Schreiber
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