Besser gut zuhören
Kaum zu glauben, dass es in Chemnitz so viele Nachtclubs gibt. DJane Fuxia führt das Theaterpublikum mit lässigem Techno von Ort zu Ort, ihr DJ-Pult ist ein schwarzer Einkaufswagen mit Boxen und blinkenden Sternen. Auf der Bühne im Weltecho, im ersten Stock eines wunderschönen Gründerzeit-Baus, zeigt das Chemnitz-brasilianische Ensemble Enois 15 Minuten schmerzhaft-stolzen Tanz über Identität. Im düsteren Keller des Brauclub verwandelt der Puppenspieler Jan Mixsa Küchengeräte in wütend krakeelende Querdenker.
Im coolen Eck-Etablissement «Nikola Tesla» trägt die Performerin Teresa Stelzer Gedichte der Chemnitzerin Barbara Köhler vor und lässt Glasränder erklingen.
Zumindest ein paar Mitbürger schließen sich der Clubtour an, die Theater an neue Orte und zu neuen Zuschauern bringen will. Aber es ist nicht einfach in dieser Stadt, bestätigt auch Frauke Wetzel. Sie sitzt im Vorstand des Vereins «Asa-FF», der das Festival veranstaltet und sich in Chemnitz für Demokratieentwicklung einsetzt, mit Akteuren der Zivilgesellschaft Kontakt aufbaut, Start-ups unterstützt oder Geschichte aufarbeitet, etwa den NSU-Terror. Bekanntlich lebte das Terroristen-Trio im Chemnitzer «Untergrund» ziemlich ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Dorothea Marcus
Der Drache ist ziemlich schick. Und weiblich: Mit platinblondem Pagenschnitt und schwarzem Hosenanzug könnte er (Vanessa Bärtsch) ohne Weiteres auch Prada tragen. Er schnaubt an der E-Zigarette und muss vom vielen Vapen heftig hüsteln. Vanessa Bärtsch spielt neben der Drächin aus der Chefetage auch Mariechen, die gestiefelte Katerkatze, höchst akrobatisch und eben...
Stalin soll derart panische Angst vor einem Attentat gehabt haben, dass seine Leibwächter wiederum panische Angst hatten, ohne ausdrücklichen Befehl das Schlafzimmer des «Stählernen» zu betreten. Als er eines Morgens infolge eines Schlaganfalls zusammenbrach, lag er wohl stundenlang vor seinem Bett, bis endlich jemand wagte, die Tür zu öffnen. Da war es allerdings...
Noch bevor alle Zuschauer:innen ihre Plätze eingenommen haben, wird die vierte Wand durchbrochen. Und zwar vom Kamerakran, der weit in den Saal des Hamburger Schauspielhauses hineinfährt und dem Publikum so direkt auf die Pelle rückt. Auge in Kameraauge steht man sich da gegenüber, und das penetrant vor einem filmende Gerät erinnert dabei an das Monster, das im...
