Berlin: Take five!
Niemand kann so schön schmollen wie Benny Claessens. Wenn sich das Gesicht in den kategorischen Widerspruch eines Kleinkinds verknautscht, die Stimme eine Oktave in die Höhe fährt, der mächtige Körper sich in ein Gebirge aus Trotz verwandelt. Wenn Salome schmollt, dann will er/sie wirklich nicht. Aber warum, das ist hier eine gute Frage.
Ersan Mondtag (Regie und Bühne) geht Oscar Wildes «Salome» – oder was davon in der Überschreibung von Thomaspeter Goergen noch übrig ist – als trashiges Weihnachtsmärchen an.
Allerliebste Burgtürmchen bekränzen das Portal, am Eingang steht ein putziger Wächter mit blauer Kappe und langem Spieß, und die konsequent crossgegenderte Jerusalemer Burgbesatzung sieht aus wie ein vom Blitz getroffener Alice-in-Wonderland-Schulbühnen-Cast, zusammengenäht von einer übereifrigen Kunsterzieher*in (Kostüme Josa Marx). Tetrarchin Herodes (Lea Draeger) erscheint als schockgefrorene Eiskönigin, ihr Gatte Herodias (Michael Gempart) tattert als bizarr verwahrloster Jubelgreis dazu, Salome beginnt als herzdamenhafte Bonbonniere verpackt, um sich später als überlebensgroße Nacktstatue nebst lebensechtem Büßerhemdprophet selbst zu verdoppeln. Jochanaan hat sich ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Franz Wille
Das hatten sich die designierten Schwiegereltern irgendwie anders vorgestellt: Da kommt Tochter Tina nach ewiger Abstinenz endlich wieder mit einem neuen Lebenspartner zu Besuch. Und dann spricht der junge Mann – Matthias – statt gepflegtem Smalltalk sinnfrei-martialisches Satzgut über den Abendbrottisch. «Wenn du einem Vogel-Strauß den Hals durchzippst», gibt er...
Den Anfang macht eine Zirkusnummer: Eine Frau im märchenhaften Kinderkleid wird nur an den Haaren hängend aus der Versenkung in den Bühnenhimmel gezogen, dabei dreht sie sich wie tanzend um sich selbst. Wir sind, so scheint es, in einer Art Kinderbelustigung für Erwachsene. Sechs Gestalten, einheitlich grell geschminkt, kichern und lassen die Zungen kreisen....
Das Stück «Disko» von Wolfram Höll aus der aktuellen Ausgabe ist im Browser nicht darstellbar. Abonnenten, die das Stück digital lesen möchten, schicken bitte eine E-Mail an: kontakt@der-theaterverlag.de. Wir senden Ihnen das Stück dann als PDF-Dokument zu.
