Kiel: Vorläufig in Sicherheit
«Im Jahr 2015 begibt sich eine alte Frau aus Mossul mit ihrer vierjährigen Enkelin auf die Flucht. Sie legt 18.000 Kilometer zurück, vom Irak zum Baltikum, über die sogenannte Balkanroute. Dies ist ihre unglaubliche Geschichte.
» Stefano Massini ist gut darin, komplexe Themen auf Boulevardniveau herunterzubrechen – dass seine Protagonistin Haifa quer durch Europa flüchtete, vom Irak in die Türkei, von der Türkei über die Ägäis nach Griechenland, von Griechenland immer weiter nach Norden, bis sie in einem Schiffscontainer landet mit der Aufschrift «Occident Express», den sie fälschlicherweise mit dem Ziel «Stockholm» identifiziert, das ist tatsächlich eine «unglaubliche Geschichte», wie es im vorangestellten Motto heißt.
«Occident Express» setzt auf den Effekt Empathie mit einem Einzelschicksal, ist als identifikationsheischender Bericht der Protagonistin nicht ungeschickt aufgebaut, aber ohne Blick für den Gesamtzusammenhang, der im Thema Flucht mehr entdeckt als die Einfühlung in ein grausames Erlebnis. Josua Rösing macht auf der Studiobühne des Kieler Schauspielhauses entsprechend das Beste daraus, indem er sich einer Bebilderung des Gesagten konsequent verweigert: Haifa ist ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Falk Schreiber
Es ist dunkel. Und kalt. Und muffig. Die Zuschauer werden durch einen Keller gescheucht und sollen sich in das Dasein von Tagelöhnern im Kiel des Jahres 1918 einfühlen, eingezogen zu niedrigsten Arbeiten auf einem Kriegsschiff, Kohlen schippen und so, fürs Vaterland. «Es geht gegen England!», brüllt einer, und das Publikum: «Hurra! Hurra! Hurra!» Aber die...
Kindsmörderinnen sind kein Mythos. Wer die Nachrichten nach Müttern durchkämmt, die ihre Kinder umgebracht haben, oft gleich nach der Geburt, stößt meist auf sozial oder psychisch prekäre, als Kind selbst vernachlässigte und misshandelte Frauen, häufig allein oder in schwierigen Beziehungen. Was auch immer ihr Motiv sein mag – ökonomische Ausweglosigkeit, Druck der...
Vollendeten Lektürespaß, gibt der Kölner Intendant Stefan Bachmann in einem Gespräch mit «Deutschlandfunk Kultur» zu Protokoll, hatte er bei «Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)» nicht. «Das Lesen von Jelinek-Stücken hat fast was von Folter», gestand er im Vorfeld seiner Ur-Inszenierung der jüngsten Literaturnobelpreisträgerinnen-Textfläche sympathisch...
