Spielkrise und Spiegelstadium

Andreas Kriegenburg inszeniert «Der Spieler» von Fjodor Dostojewskij am Münchner Residenztheater, und Rabih Mroué plädiert in «Kill the Audience» an den Münchner Kammerspielen für die Unverzichtbarkeit des Zuschauers

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In einer Spielzeit, die der Frage «Was heißt spielen?» gewidmet ist, kommt man um Dostojewskij kaum herum.

Wer wüsste besser als ein jahrelang Spielsüchtiger, was es heißt, immer wieder am Abgrund zu stehen, alles zu riskieren und zu verlieren bis auf den buchstäblich letzten Heller, ja, sogar das eigene, noch ungeschriebene Werk zum Einsatz zu machen? Bei seinem zweiten Roman «Der Spieler» kulminieren Lebenssituation und Sujet zu einem aberwitzigen Countdown: In nur 26 Tagen und Nächten im Oktober 1866 diktiert Dos­tojewskij der jungen Stenotypistin Anna Snit­kina, die er wenig später zu seiner zweiten Frau macht, die geforderten zehn Druckbögen. Auf dem Spiel stand nicht nur seine finanzielle Existenz, sondern das Schicksal seines bisherigen und künftigen Werks, deren Rechte er ein Jahr zuvor für ein Darlehen von 3000 Rubel an den geschäftstüchtigen Verleger Stellowski verpfändet hatte, wenn er nicht zum Stichtag 1. November einen neuen Roman abliefere. Der Termin wurde, nicht zuletzt dank Annas hartnäckiger Tüchtigkeit, eingehalten, das Werk befreit, und einige Jahre später gelang es Dostojewskij sogar, seine Sucht endgültig hinter sich zu lassen.

Die Geschichte um den jungen ...

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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Silvia Stammen

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