Autonome Pilze
Gab es jemals so ein sauberes, neu sein wollendes Bühnenbild von Anna Viebrock? Die Rahmen und Portale des Kastens sind frisch gestrichen, zwischen Hellblau und Türkis laviert die eine Farbe, zum sanften Crème will die andere. Nur ein bisschen dunkles Holz bleibt aus dem alten Leben übrig. Und die Szenerie ist ungewohnt ausreichend ausgeleuchtet.
Trotz der offensiv intakten Farbschicht melden sich ein paar Störungen in dieser Aufgeräumtheit: Leicht erhöht ist hinten ein dysfunktionales Büro mit altem Computer und ausrangierten Stühlen zu sehen, an den Seiten verwischen Laternen sowie das Fassadenhafte der Wände das Innen und das Außen.
Solche Unterscheidungsprobleme und Zerfallserscheinungen können im Leben eine psychische Krankheit ankündigen. In diesem Theater spricht daraus aber der Traum, nicht der Vernunft allein zu gehorchen, sich nicht der Ideologie der Gesundoptimierten zu unterwerfen. «44 Harmonies from Apartment House 1776» forciert das Ringen der Kunst – in diesem Fall: der Musik – mit den Ansprüchen oder Zumutungen der verwalteten Welt geradezu schematisch: Selten so einen deutlichen Marthaler gesehen. Das hat mit dem Raum zu tun. Mit der Stadt. Und mit enttäuschter ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Tobi Müller
Linda Pöppel war im Ensemble des Schauspiels Leipzig, des Frankfurter Schauspiels und ist jetzt am Deutschen Theater Berlin engagiert. Dort hat sie jüngst in Sebastian Hartmanns Inszenierung von «In Stanniolpapier» eine der herausragendsten schauspielerischen Leistungen der Spielzeit geboten. Ein Porträt
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«Im Jahr 2015 begibt sich eine alte Frau aus Mossul mit ihrer vierjährigen Enkelin auf die Flucht. Sie legt 18.000 Kilometer zurück, vom Irak zum Baltikum, über die sogenannte Balkanroute. Dies ist ihre unglaubliche Geschichte.» Stefano Massini ist gut darin, komplexe Themen auf Boulevardniveau herunterzubrechen – dass seine Protagonistin Haifa quer durch Europa...
Pinkfarbene Wolken, stahlblauer Himmel, Modellhausfassaden, die betont kulissenhaft ins Bild ragen, Interieurs wie aus einem Bühnenbild von Susanne Kennedy: Realismus regiert definitiv nicht in Lola Randls Komödie «Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer». Eine Mischung aus Truman-Show und Jacques-Tati-Reminiszenz bildet den blitzeblank-bonbonbunten...
