Berlin: Abbildung einer Verunsicherung

Frank Wedekind «Lulu»

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Fast jedes «man» in diesem Text könnte wahrscheinlich ein «Mann» sein. Denn auch wenn hier eine Frau schreibt, ist diese Theaterwelt immer noch eine oft sehr männliche Welt – und nicht nur die. Dessen sind sich Stefan Pucher und die Volksbühne sehr bewusst, wie schon an Ankündigung und Programmheft für die Inszenierung von Wedekinds «Lulu» zu erkennen ist. Selbstkritisch dreht sich da alles um Männer: «Ein Mann schreibt, andere Männer setzen das Drama auf Spielpläne, noch mehr Männer inszenieren ihre Fantasien.

» Einziger Unterschied zu früher: Diese Männer empfinden inzwischen ein Unbehagen dabei. #MeToo lässt grüßen. 

Dass die Premiere auf den Männertag fällt, ließe sich als dementsprechend ironische Terminwahl werten. Vielleicht ist es aber auch nur Zufall. In jedem Fall will – so viel sei vorweggenommen – der Schluss der Inszenierung ganz symbolhaft die Befreiung des ewig Weiblichen und schickt die Titelfigur nicht ins Messer des Frauenmörders, sondern lässt sie zusammen mit der lesbischen Gräfin aus dem Theater und per voraufgezeichne­tem Video in die Berliner Nacht fliehen. Vorher haben sie die verschiedenen Herren des Abends per Theaterpistolenknall zur Strecke gebracht. 

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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Kristin Becker

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