Frankfurt/Main: Angeschmutzte Erlösungsfantasien
Übermut ist diesem Peer fremd. Er ist ein Träumer nicht aus Lust, sondern aus Not: Seine Träume sind verdrehte Fluchtversuche, sucht er doch im Eskapismus die Anpassung, im Ausbruch den Einbruch, sehnt er sich doch nach Zugehörigkeit und Heimkehr. Seine Großmannsfantasien sind ein fortwährendes Ringen um Liebe und um Anerkennung, das ebenso fortwährend scheitern muss.
Dabei hatte alles so gut angefangen! Aus der klinisch weißen Krankenstation war Peer Gynt ausgebrochen, per Leiter durch die Deckenluke geklettert und plötzlich in einer wilden Weite gelandet: Auf einer Lichtung, bedeckt mit Erde und umstellt von meterhohen Holzplanken. Im Halbdunkel hat er sich hier aufgebäumt, der große Mann, hat den nackten Körper mit Erde eingerieben und Urlaute ins Nichts gebrüllt. Hier ist er auf Gleichgesinnte getroffen, die ihn in ihre Mitte aufnahmen, andere nackte, erdbeschmierte Leiber. Und für einen Moment war er einer von ihnen. Für einen Moment war alles gut.
Am Schauspiel Frankfurt hat Theatermaler Andreas Kriegenburg Ibsens wilde Identitätssuche und Ausbruchsfantasie inszeniert. Eine Inszenierung, in der die Melancholie des Vergeblichen alles von Anfang an grundiert. Max Simonischek ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt
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