Beim Friseur mit Kanzler Scholz

Amanda Babaei Vieira kann sich über splissige Haare und den Olaf Scholz im Sommerinterview aufregen

Theater heute - Logo

Meine Haare sind splissig, ich könnte rasen vor Wut. Beim Frisör in Altona lasse ich mir für 4,99€ einen Olaf-Scholz-Haarschnitt machen. Im Klatschmagazin lese ich, dass Olaf damals die von der UN-Menschenrechtskonvention als Folter deklarierte Brechmittelgabe in Hamburg durchgewunken hat. Rechtswidrig kotzende Leute sind daran gestorben. Er lächelt bodenständig von der Titelseite. Ich lächele zurück. Zum Glück lebe ich nicht in Nordkorea, denke ich, und fahre mir durch die Stirnfransen, da sollten ja angeblich alle die Frisur von Kim Jongun oder seiner Frau bekommen.

Dieser Backstreet-Boy-Mittelscheitel steht mir gar nicht. Meine Nachbarin unter der Trockenhaube schwadroniert vom Untergang des Abendlandes. Guten Abend, gute Nacht, von Englein bewacht. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder gewürgt.

Ich blättere zum großen Kanzler-Sommerquiz. Trotz Korruptionsaffäre Mann des Volkes geblieben. Herr Kanzler, was ist Ihr Geheimnis für babyweiche Haut? Als alter Hamburger: Wie stehen Sie zur Kl-gestützten Überwachung im Bahnhofsviertel? Begrüßen Sie den technischen Fortschritt und dass die künstliche Intelligenz nun bei verdächtigen Bewegungen Alarm schlägt? Ist Contemporary ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 98
von Amanda Babaei Vieira

Weitere Beiträge
Die Zeit läuft aus dem Ruder

Angst bildet die Seelenwirklichkeit der mittleren Lagen in unserer Gesellschaft … In Begriffen der Angst fühlt sich die Gesellschaft selbst den Puls» – es ist schon einige Jahr her, dass der Soziologe Heinz Bude mit solchen Sätzen aus seinem Buch «Gesellschaft der Angst» in der interessierten Öffentlichkeit für Aufsehen sorgte. Im Licht der jüngeren Wahlergebnisse...

Ort für Denkmalpflege

Ich habe mich vor allem in den letzten Jahren sehr über das Stadt- und Staatstheatersystem geärgert. Ich kam als junger Mensch mit Begeisterung ans Theater, weil ich dachte, die Bühne sei der Ort, auf der sich alle Darstellungsmittel auf so spektakuläre Weise verbinden können. Im Gegensatz zu allen anderen Künsten können im Theater wirklich alle Wahrnehmungsebenen...

Ein falsches Spiel

Nichts stimmt an dieser Geschichte. Nicht die Prophezeiung, dass Brunhild, die kampferprobte Königin von Island, und Siegfried, der Drachentöter aus Xanten mit dem magischen Schwert, der Nebelkappe, dem Nibelungenschatz und der gepanzerten Haut, für -einander bestimmt sind. Nicht die Werbung des burgundischen Losers König Gunter um die mächtige Brunhild. Nicht sein...