Beim Barte des Propheten

Matthias Lilienthal, Intendant der Berliner Spielstätte Hebbel am Ufer, im Gespräch über die Absetzung der Hans-Neuenfels-Inszenierung «Idomeneo» und die Freiheit der Kunst in politisch komplizierten Zeiten

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Eva BehrendtMatthias Lilienthal, hat Frau Harms einen Fehler gemacht, als sie den «Idomeneo» abgesetzt hat?
Matthias LilienthalIm Prinzip verstehe ich überhaupt nicht, wie man das machen kann. Aber wenn man genauer hinguckt, ist doch merkwürdig, dass die Fronten anders als sonst verlaufen: Hier hat kein linker Regisseur provokative Bilder geliefert, es ist nicht der CDU-Innenminister, der die Absetzung fordert, sondern die konservativen Politiker Neumann, Stoiber und Schäuble wollen deren Rücknahme. Im Grunde halte ich das Ganze für einen extrem unglücklichen Fall.

Oder, wie ein SZ-Journalist geschrie­ben hat: Kirsten Harms ist einfach nur so nervös wie der Rest des Landes.
EBWas hätten Sie an ihrer Stelle getan? Wenn Sie von amtli­cher Seite ein entsprechendes Gutachten auf dem Tisch hätten?
LilienthalDas würde bei mir natürlich erstmal einen Gegenreflex auslösen. Ich komme aus einer Szene, in der man, auch wenn man Probleme im Theater hat, nie die Polizei rufen würde, und wenn einem die Polizei etwas rät, dann denkt man erstmal das Gegenteil.
EBSie würden nie um die Sicherheit Ihres Publikums fürchten?
LilienthalWenn es wirklich konkrete Drohungen gäbe, würde ich versuchen, auf ...

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Theater heute November 2006
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt

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