Das Bürgertum lebt
Ibsens Auferstehung: Heddas und Noras auf fast allen deutschen Bühnen. «Absturzängste des Bürgertums» seien aktuell, sagt Thomas Ostermeier, der Protagonist des Ibsen-Revivals. Nun stürzt das Bürgertum schon seit 100 Jahren ab. Sein Überleben könnte also von seinen Absturzängsten verursacht sein und Ibsens dauerhafter Erfolg von der hartnäckigen, alternativlosen Expansion und Diffusion der bürgerlichen Lebensweise.
In Ibsens selten gespieltem Stück «Rosmersholm» von 1887 stürzen sich am Ende der Traditionsbürger Johannes Rosmer und die Aufstiegsbürgerin Rebekka West gemeinsam in den Mühlbach, weil von ihrer Liebe und ihren Lebensplänen nichts übrig blieb als allein die gemeinsame Schuld. Schuldfähigkeit im weiteren als juristischen Sinn setzt Kohärenz, Kontinuität und konstante Orientierung des Individuums voraus. Ibsen schrieb, es gehe um den «Kampf, den jeder ernsthafte Mensch mit sich selbst zu bestehen hat, um seine Lebensführung mit seiner Erkenntnis in Einklang zu bringen».
Ernsthafte Menschen in Rosmersholm
Von solchen «ernsthaften Menschen», stabilen alteuropäischen Individuen, geht Elmar Goerdens Bochumer Inszenierung aus. An den Wänden im geräumigen Haus Rosmersholm ...
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