Athens beste Jahre
Zehn Jahre zuhause herumsitzen und auf den Mann warten, ist kein Vergnügen. Vor allem, wenn der gerade damit beschäftigt ist, fremde Städte zu plündern, und mit kriegsgefangenen Fürstentöchtern herummacht. Obendrein auf dem Weg dorthin die eigene Tochter aufgeschlitzt hat, damit der Fahrtwind wieder an Schwung gewinnt. Constanze Beckers Klytaimnestra hockt angemessen verbittert und frustriert in ansprechender Unterwäsche vor der Wand und mümmelt an einem Brötchen. Die Zigarette im Mund, eine Bierbüchse neben sich, brütet sie gefährlich übellaunig vor sich hin.
Hätte sie sich nicht gerade zum Bericht von Iphigeniens Opferung einen Kanister Theaterblut malerisch über die Haare gegossen, niemand würde sie in einer griechischen Tragödie vermuten. Eher in einem Stück tristen Sozialrealismus, Kitchen sink abwärts.
Steins Schatten
Die «Orestie» des Aischylos hat in den letzten Jahren wieder verstärkt Spielplan-Konjunktur. Nach Peter Steins einschüchternder Berliner Inszenierung von 1980 war sie fast zwei Jahrzehnte kein Thema. Der achtstündige Schaubühnen-Theatermarathon schien kaum zu überbieten, und auch deutungstechnisch blieben lange Zeit keine Fragen offen: Das große Spiel von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es heißt, Menschen könnten sich ändern. Aber eigentlich geschieht das so selten, dass Ausnahmen gerne in Kinofilmen und Romanen inszeniert werden, wo sie immer zu großen Rührstücken geraten. Wenn es tatsächlich möglich ist, dass ein Mensch sein Verhalten ändert – und zwar zum Positiven –, dann packt das den Zuschauer an seiner weichsten Stelle. In unserer erlernten...
Eva BehrendtMatthias Lilienthal, hat Frau Harms einen Fehler gemacht, als sie den «Idomeneo» abgesetzt hat?
Matthias LilienthalIm Prinzip verstehe ich überhaupt nicht, wie man das machen kann. Aber wenn man genauer hinguckt, ist doch merkwürdig, dass die Fronten anders als sonst verlaufen: Hier hat kein linker Regisseur provokative Bilder geliefert, es ist nicht der...
Ibsens Auferstehung: Heddas und Noras auf fast allen deutschen Bühnen. «Absturzängste des Bürgertums» seien aktuell, sagt Thomas Ostermeier, der Protagonist des Ibsen-Revivals. Nun stürzt das Bürgertum schon seit 100 Jahren ab. Sein Überleben könnte also von seinen Absturzängsten verursacht sein und Ibsens dauerhafter Erfolg von der hartnäckigen, alternativlosen...
