Behaupten, zweifeln, wiederholen und überprüfen
Josefine Israel spielt und spielt und spielt. Sie spielt die Schülerin Iselin. In Knausgårds «Der Morgenstern» (Regie Viktor Bodó, 2023). Für ihren Musiklehrer überwindet diese junge Frau unvermittelt ihre Scheu, wagt sich an die Untiefen ihrer Gefühle, singt hingebungsvoll Coldplays «Fix you», während der Pullunder-Pädagoge ungerührt in die Tasten seines Synthesizers greift. «When you try your best, but you don’t succeed.» Eine ungehörte Liebeserklärung, gesungen so schutzlos fragil wie im Stimmbruch, nur schöner.
Sie spielt Eve.
In Kleists «Der zerbrochne Krug» (Regie Michael Thalheimer, 2017). Für ihren berührenden Schlussmonolog tritt sie vor an die Rampe und erzählt ihre Wahrheit der Ereignisse. Mit fragender, rauer Stimme berichtet sie von ihrer Not. Von der Nötigung. Von der Erpressung. Verständnislos, mit enttäuschtem Blick, ihr Körper ein schiefes Fragezeichen. Den Kopf stolz erhoben. Die Augen randvoll mit Tränen.
Sie spielt die ahnungslose «Süße». In Albees Ehehölle «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» (Regie Karin Beier, 2019) und ist eigentlich nicht viel mehr als eine dekorative Begleiterscheinung. Lange Zeit steht sie sehr verloren im Raum, hält sich am Bourbonglas ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Katrin Ullmann
Pläne der Redaktion
Sommerzeit, Festivalzeit: Neues aus Salzburg und Avignon, von Theater der Welt in Frankfurt/M., Kampnagel in Hamburg und dem Zürcher Theaterspektakel
Die ukrainische Autorin Natalia Vorozhbyt hat den Krieg in der Ukraine seit 2014 in ihren Stücken begleitet. Ihre Texte wurden in der Ukraine, Russland, Litauen, Polen, Großbritannien, Deutschland,...
Am besten hat die Exilerfahrung wohl die aus Uganda geflohene Aktivistin und Lyrikerin Stella Nyanzi auf den Punkt gebracht, in einem ihrer mitreißenden, in Deutschland entstandenen Gedichte: «Exil, das ist ein Ort zum Atmen: ah und uh.» Ein leicht befreiendes Ah und ein leicht schmerzliches Uh. Gemischtes Gefühl also. Im Exil verliebt sich ihre Tochter in...
Thees Uhlmanns 2015 erschienener Roman «Sophia, der Tod und ich» schrie mit seinen zugespitzten Dialogen geradezu nach einer Umsetzung auf Bühne und Leinwand. Die Theater begriffen das schnell. Das Schauspiel Essen war 2017 als erstes am Start (und eine Publikumsumfrage über die beliebtesten Stücke der letzten 20 Jahre wählte das Stück in die Top Ten), das...
