Barocke Innenaustattung
«Wir werden wieder miteinander tanzen können», das ist ein Stücktitel, der all die Gefühle auf den Punkt bringt, die sich im Theater nach zwei Jahren Pandemie aufgestaut haben. Tatsächlich entpuppt sich «Avremo ancora l’occasione die ballare insieme» von Daria Deflorian und Antonio Tagliarini als sentimentale Theaterpoesie, in der eine Touristengruppe in der Zukunft ein zerstörtes Theatergebäude durchschreitet und sich fragt, was an diesem Kultort wohl für seltsame Rituale vollzogen worden seien.
Die Sehnsucht nach gemeinschaftlichem Kulturerleben wird mehr beschworen als befriedigt, aber: Als erstes Gastspiel der Lessingtage am Hamburger Thalia Theater hat der Abend seine Berechtigung: Weil die Tatsache, dass das Festival überhaupt stattfindet, schon Befriedigung genug ist.
Als Thalia-Intendant Joachim Lux 2009 vom Wiener Burgtheater nach Hamburg kam, brachte er die Idee für ein lokal verwurzeltes jährliches Festival mit. Ab 1767 lebte Gotthold Ephraim Lessing drei Jahre in Hamburg, entwickelte (zunächst erfolglos) das Konzept eines deutschen Nationaltheaters und skizzierte erste aufklärerische Versuche. Eine Tradition, die im heutigen Hamburg, so Lux, nicht allzu viel gelte – ...
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Theater heute März 2022
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Falk Schreiber
Der am 3. Februar verstorbene Schauspieler Dieter Mann kam aus einer Arbeiterfamilie. Nach dem Volksschulabschluss in Pankow absolvierte er eine Lehre als Dreher im VEB Kühlautomat, arbeitete dann zwei Jahre in einem Schleifmaschinenwerk und studierte anschließend an der Berliner Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Friedrich Engels. Nach dem Abitur bewarb er sich 1962...
Den Anfang machen ein paar harmlose Fragen. Ob man seinen Job verloren habe. Ob sich die Miete verdoppelt oder der Vermieter einen rausgeworfen habe. Ob man eine Versicherung habe. Das nächste Set, «Der Schlüssel zum Glück», erzählt von einem ausgebeuteten Barkeeper, der, als sein ohnehin gesetzeswidriger Untermindestlohn ausbleibt, nach und nach das Mobiliar...
Auf der Pfauen-Bühne steht ein Fließband, das Symbol entfremdeter Arbeit schlechthin. Nils Kahnwald bricht eine weiße Substanz in backsteingroße Brocken, diese wandern in einen großen Aluzylinder und von dort aus verflüssigt in verschiedenfarbige Zapfstationen. Im Verlauf der Aufführung füllt das Ensemble nebenbei immer mal wieder kleine Portionen daraus in kleine...
