Backlash im Moor
«Zu einem cup of tea würd’ ich nicht Näin sagen», setzt Dominik Dos-Reis als der Landluftbegeisterte (Wiener Neu-)Städter Lockwood den Ton für den Abend: beiläufig witzig, jugendlich, entspannte Spielhaltung und bei alldem politisch reflektiert. Zugleich wirkt Claudia Bossards Bühnenfassung von «Wuthering Heights» stellenweise, als würden Menschen von heute ihre crazy Erlebnisse von früher, also Mitte des 19. Jahrhunderts, noch einmal durchspielen und -diskutieren.
Hindley (Alexander Wertmann): «Hä, hab’ ich das damals wirklich gesagt?» Catherine (Nina Steils): «Nein, das hat Frances gesagt, deine tote Frau, du Dumpfbacke.»
Glück und Unglück beginnen in Emily Brontës unbändigem 400-Seiten-Roman damit, dass Gutsbesitzer Earnshaw seinen Kindern Catherine und Hindley nicht die erwarteten Geschenke aus der Stadt mitbringt, dafür aber ein mutmaßliches Waisenkind: Heathcliff. Er wird für Catherine zum Seelenverwandten, für Hindley zur schlimmsten Konkurrenz. Dass Catherine sich später, als es ums Heiraten geht, gegen Heathcliff und für den Snob Edgar (Marius Huth) vom reichen Nachbarhof entscheidet, ist absolut rational, als Bauerntochter ohne Erboder sonstige Rechte. Es stößt aber eine ...
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Theater heute Mai 2025
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Cornelia Fiedler
In einem kurzen Dialog ihres 1971 erschienenen Romans «Gift» (in Deutschland unter dem Titel «Abhängigkeit» erschienen) bringt Tove Ditlevsen das Grundproblem autofiktionalen Schreibens auf den Punkt. Das sei doch überhaupt keine Literatur, sie schreibe ja nur auf, was ohnehin offensichtlich sei. Im 1975 erschie -nenen Roman «Vilhelms Zimmer» (jüngst von Ursel...
Elfriede Jelinek, «Asche»
Schon der Titel macht wenig Mut –und Elfriede Jelineks «Asche» seinem/ihrem Namen alle Ehre: Verlust und Niedergang auf vielen Ebenen. Da wäre der Tod des Lebensgefährten, den das dramatische Ich erleben muss, das bei Elfriede Jelinek immer eine komplizierte Angelegenheit ist. Da wären die allfälligen Alterungs- und Zerfallsprozesse am...
Als die Schwedische Akademie anruft, ist Jacob McNeal gerade bei seiner Internistin. Das ist ein Glück, denn die Nachricht, dass er den Literaturnobelpreis gewonnen hat, hätte er sonst womöglich nicht überlebt. Er zittert am ganzen Körper, beginnt zu hyperventilieren und beruhigt sich erst, nachdem die Ärztin Erste Hilfe geleistet hat.
In der nächsten Szene ist der...
