Alle meine Monster
Wachsfiguren haben viele Vorteile. Sie sind nicht gewalttätig, laufen nicht weg, halten den Mund und machen keine Fehler. Sie sehen einfach nur aus, bestenfalls wie jemand, den oder die alle schon x-mal gesehen haben. Gut, das klingt etwas langweilig, aber ist Langeweile in diesen aufregenden Zeiten nicht ziemlich sexy? Anna Viebrock hat eine Reihe solcher Wachsfiguren oder Wachsfigurenattrappen auf die Volksbühne gestellt.
In einer unspezifischen Institution mit Bibliothek, Sitzgelegenheiten, Klavieren und einer Fototapete mit Hochwassermotiv stehen wie bestellt und nicht abgeholt Heino und der Fernsehkoch Horst Lichter. Oben auf der Galerie posieren Taylor Swift und Karl Lagerfeld, dazwischen tummeln sich Albert Einstein, Muhammad Ali und Lady Di.
Mit «Wachs oder Wirklichkeit» meldet sich Christoph Marthaler nach längerer Pause wieder an der Volksbühne zurück. Zuletzt hatte der Schweizer dort 2016 «Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle» inszeniert mit einer unvergesslichen Moll-Version von Helene Fischers Partyschlager «Atemlos» im Stil einer Kantate: Während Lilith Stangenberg die Strophen mit dem Ernst einer Fürbitte aufsagte, trug Tora Augestad engelsgleicher Sopran durch den ...
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Theater heute Mai 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt
Wer schon einmal das Bild des «Floß der Medusa» betrachtet hat, kam sicher nicht umhin, sich die Ereignisse vorzustellen, die hier angedeutet werden. Nach einem Schiffbruch 1816, verantwortet von einem unerfahrenen und eitlen Kapitän, wird ein Teil der Crew ihrem Schicksal auf offener See überlassen. Nur fünfzehn überleben die fast zweiwöchige Höllenfahrt, die von...
In einem kurzen Dialog ihres 1971 erschienenen Romans «Gift» (in Deutschland unter dem Titel «Abhängigkeit» erschienen) bringt Tove Ditlevsen das Grundproblem autofiktionalen Schreibens auf den Punkt. Das sei doch überhaupt keine Literatur, sie schreibe ja nur auf, was ohnehin offensichtlich sei. Im 1975 erschie -nenen Roman «Vilhelms Zimmer» (jüngst von Ursel...
Es ist eins der bestechendsten Kapitel in Michail Bulgakows Kultroman «Der Meister und Margarita»: Woland, der deutsche Teufel auf Besuch in Moskau, hat es mit seiner Entourage bis auf die Bühne des Varieté-Theaters geschafft, um dort seine Schwarze Magie zu zelebrieren. Er lässt Geldscheine vom Himmel regnen, die sich die Pu -blikumssozialisten gierig aus den...
