Alle meine Monster
Wachsfiguren haben viele Vorteile. Sie sind nicht gewalttätig, laufen nicht weg, halten den Mund und machen keine Fehler. Sie sehen einfach nur aus, bestenfalls wie jemand, den oder die alle schon x-mal gesehen haben. Gut, das klingt etwas langweilig, aber ist Langeweile in diesen aufregenden Zeiten nicht ziemlich sexy? Anna Viebrock hat eine Reihe solcher Wachsfiguren oder Wachsfigurenattrappen auf die Volksbühne gestellt.
In einer unspezifischen Institution mit Bibliothek, Sitzgelegenheiten, Klavieren und einer Fototapete mit Hochwassermotiv stehen wie bestellt und nicht abgeholt Heino und der Fernsehkoch Horst Lichter. Oben auf der Galerie posieren Taylor Swift und Karl Lagerfeld, dazwischen tummeln sich Albert Einstein, Muhammad Ali und Lady Di.
Mit «Wachs oder Wirklichkeit» meldet sich Christoph Marthaler nach längerer Pause wieder an der Volksbühne zurück. Zuletzt hatte der Schweizer dort 2016 «Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle» inszeniert mit einer unvergesslichen Moll-Version von Helene Fischers Partyschlager «Atemlos» im Stil einer Kantate: Während Lilith Stangenberg die Strophen mit dem Ernst einer Fürbitte aufsagte, trug Tora Augestad engelsgleicher Sopran durch den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt
Was machen eigentlich die Walküren? Bei Richard Wagner sind sie die Töchter des Gottes Wotan, die Impulse für die Geburt Siegfrieds geben und damit die Handlung im «Ring des Nibelungen» in Gang setzen. Caren Jeß hat den Stoff 2023 fürs Staatstheater Braunschweig überschrieben, für das Projekt «Ausweitung des Ringgebiets», mit dem das Haus spartenübergreifend...
Was wäre das Theater ohne Fami - lienfeste? Jedenfalls um einen dramaturgischen Hotspot ärmer. Kaum jemand geht enthusiastisch dorthin, kaum jemand fühlt sich da wirklich unter seinesgleichen, was sich übers Jahr an identitärer Entwicklung entfaltete, wird von verlangsamten Onkeln und Tanten unerbittlich auf den Status quo ante zurückgesetzt: «Was hast du nur mit...
In einem kurzen Dialog ihres 1971 erschienenen Romans «Gift» (in Deutschland unter dem Titel «Abhängigkeit» erschienen) bringt Tove Ditlevsen das Grundproblem autofiktionalen Schreibens auf den Punkt. Das sei doch überhaupt keine Literatur, sie schreibe ja nur auf, was ohnehin offensichtlich sei. Im 1975 erschie -nenen Roman «Vilhelms Zimmer» (jüngst von Ursel...
